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Friedhof der ungeschriebenen Bücher

 

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Tausend Ansätze, doch keiner hat geklappt.

Irgendwann verliert man den Mut, gibt auf. Die Idee wird aufgegeben, begraben auf dem Friedhof der ungeschriebenen Bücher.

Ich weiß nicht, wie oft ich schon vor dieser Entscheidung stand: Aufgeben und vielleicht irgendwann mal ein leichteres, vollkommen durchschnittliches Leben leben oder weitermachen und riskieren, irgendwann den Verstand zu verlieren.

Jedes Mal habe ich mich dafür entschieden, weiterzumachen. Ich habe schon zu viele Stunden, zu viele Tränen und zu viel Kopfzerbrechen in die Sache gesteckt, um sie jetzt aufzugeben. Das Schreiben und diese Geschichte sind ein Teil von mir. Sie zu toten würde bedeuten mich selbst zu verstümmeln. Mir einen Arm oder ein Bein auszureißen (dabei kann ich mir nicht mal selbst ein Ohrloch stechen).

Ich weiß nicht, ob dieses Verhalten – dieses sture Festhalten am Schreiben und an der Idee, die mich nun schon seit 2015 begleitet – selbstzerstörerisch ist oder mir hilft zu überleben.

Oft fühlt man sich allein mit solchen Gedanken. Doch das ist man nicht. Dafür gibt es einfach zu viele Menschen auf diesem Planeten.

 

6 Gründe über Büchermord nachzudenken

 

1. Fehlendes Vertrauen

Sei es fehlendes Vertrauen in die eigenen Talente als Autor oder die Angst, nie die richtigen Ideen zu finden, beides ist fatal.

Als Autor (oder als Kreativ-Schaffender allgemein) ist es wichtig an sich selbst zu glauben. Ob deine Idee erfolgreich ist oder scheitert, liegt allein bei dir. Wenn du davon überzeugt bist, dass du nur Müll produzierst, wie willst du dann jemals Andere davon überzeugen können, dass dein Werk von wert ist? Wie willst du dich selbst davon überzeugen können?

Ein paar Zweifel sind gut und wichtig, wenn man die eigenen Fehler wahrnehmen und verbessern möchte. Doch alles anzuzweifeln und für Sch3*§3 zu befinden, führt dich nirgendwo hin.

Außer in Depression.

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2. Fehlende Motivation

Wenn du nichts machst, machst du auch nichts verkehrt, nicht wahr?

Nun, in einem Motivationsloch haben wir alle schon mal gesteckt. Das ist ganz normal. Jeder steckt mal fest. Das darf man jedoch niemals als Anlass nehmen, nicht mehr zu schreiben.

Ein Autor, der sich nicht dazu aufraffen kann zu schreiben, ist in meinen Augen kein Autor. Es gibt viele Hobby-Schriftsteller, die sich nur vor ihre Tastatur setzen, wenn die Motivation sie einmal im Monat überkommt.

Jedes andere Hobby würde bei so wenig Beachtung auch vergehen. Wie Pflanzen oder Tiere brauchen Bücher regelmäßige Pflege, um zu gedeihen. Wie ein Muskel muss auch das Schreiben trainiert werden, um stark zu bleiben.

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3. Kein Plan

Wer in der Autorencommunity ein bisschen unterwegs ist, weiß, dass sich die Geister scheiden, was die Frage nach dem „Plotten oder nicht Plotten?“ betrifft.

An dieser Stelle soll es jedoch erstmal um die Tücken des Zu-wenig-Plottens gehen.

Einfach so drauf los schreiben. Das können die Wenigsten wirklich gut.

Man verliert den Faden, verheddert und verstrickt sich. Man vergisst, in welche Richtung es gehen soll oder was man mit seinen Worten überhaupt sagen will.

So ein Buch ist lang. Es nützt nichts nach 50 Seiten festzustellen, dass man zwar einen ganz liebenswerten Charakter erschaffen hat, aber nicht weiß, wohin mit ihm, nun da man auf tragische Weise seine Oma getötet hat. Oder wenn der Held vom Wunder zu Wunder stolpert und man erkennen muss, dass seine Reise keinen Sinn ergibt – oder hat.

Darum empfiehlt es sich immer, zumindest einen groben Plan zu haben.

Eine Art Schatzkarte, die einen zwar nicht auf die Gefahren des Weges oder die unerwarteten Wendungen vorbereiten kann (Eines der Hauptschlagargumente der Pantser ist, dass es ihnen zu langweilig wird, wenn sie von vorn herein schon alles wissen), die aber das Ziel klar vorgibt.

By Annie Spratt

4. Zu viel Plan

Das geht an all die Plotter, die es gern mal übertreiben.

Gerade Fantasy- und Sci-Fi-Autoren sind davon betroffen, denn dies sind die Genre, in denen das meiste Worldbuilding erforderlich ist.

Es gibt unzählige Dinge bei der Erschaffung neuer Welten zu bedenken. Dinge, über die man vorher nie nachgedacht hat. Wer, zum Beispiel, hat die aktuelle Währung deiner Welt erfunden und worauf basiert sie? Welche Werke oder Monumente haben vorhergehende Kulturen hinterlassen? Gibt es vier Jahreszeiten? Wer sind die größten Künstler dieser Zeit?

Es ist verlockend sich die absurdesten Fragen zur neu erschaffenen Welt zu stellen und sie alle beantworten zu wollen.

Doch das ist eigentlich gar nicht nötig.

Du musst nicht von vorn herein alles wissen. Ein paar Basics, ein paar spezifischere Details. Das reicht für den Anfang. Die wenigsten Leser werden eine Liste der berühmtesten 50 Sänger der letzten hundert Jahre in deinem Buch vermissen.

Wenn du hinterher merkst, dass du die Namen einiger berühmter Sänger brauchst, kannst du sie immer noch einfügen. So gehst du sicher, dass all die Details für die Story relevant sind.

Selbst Gott hat nur den Erdball geformt, Menschen drauf gesetzt und dann geguckt, was passiert.

Des weiteren ist es verführerisch, die Geschichten eines jeden noch so entfernt relevanten Charakters auszuarbeiten, damit zig Nebencharaktere und tausend Subplots zu erschaffen.

Du willst die Romanze, die Spannung, den Mord, Intrigen, die
Geschichte der geisteskranken besten Freundin. Du willst das alles in einem
Buch. Es gehört schließlich zu der Geschichte, die du dir ausgedacht hast. Und
du liebst die Geschichte, wie die beste Freundin der Schwester deines
Protagonisten mit ihrer Schizophrenie kämpft.

Zu viel ist nie gesund. Auch eine Pflanze stirbt, wenn man sie zu viel gießt.

Dann schreib lieber ein eigenständiges Buch über die beste Freundin mit Schizophrenie, statt die Details ihres Werdegangs in ein Buch zu stopfen, in das sie nicht gehören.

Jeder Subplot und jede Figur muss sich ihren Platz in deinem Buch verdienen, indem er (oder sie) seinen Teil zum Hauptkonflikt beiträgt. (Und das am Besten mehr als einmal.)

 

5. Du hast deinen „Werkzeugkasten“ vergessen

… Um es mit den Worten Stephen Kings zu sagen.

Er hat in seinem Buch „On Writing – A Memoir of the Craft“ die Metapher eines Werkzeugkastens verwendet, um zu erklären, welche Werkzeuge man fürs Schreiben braucht und wie jeweils wichtig diese sind.

Vokabular, Grammatik, Form, Rechtschreibung, Kommasetzung… Die Basics eben. Die gehörten auf jeden Fall in deinen Werkzeugkasten.

Weiter geht es mit Stilmitteln, Dos-and-Don’ts des Schreibens, diversen Regeln, Tipps und persönlichen Präferenzen.

Die meisten dieser Werkzeuge fürs Schreiben erhält man durch das Lesen anderer Bücher. Andere wiederum kommen über die Jahre hinzu, wenn man Erfahrung gesammelt hat und einen ganz eigenen Stil entwickelt.

Es ist wichtig, deine Werkzeuge jederzeit zur Hand zu haben. Und zwar alle. Sonst kann es vorkommen, dass du dich vor einer Aufgabe siehst, die für die du (heute ausnahmsweise mal) nicht ausgerüstet bist und den Mut verlierst.

Kenne dein Handwerk, wenn du damit Erfolg haben willst.

Bild von Kaboompics

6. Zu viele Schreibtipps

Der eine sagt Dieses, der andere Jenes. Wer soll da noch durchsehen?

Das Problem von Writing Advice ist die Menge an Tipps, die da draußen durchs Netz schwirren. Und dass sie auch noch alle logisch klingen.

Viel zu oft habe ich schon verwirrt vor meinem Bildschirm gesessen und mich gefragt, was ich jetzt glauben soll.

Letztendes: Niemandem.

Manchmal ertappe ich mich noch dabei, wie ich irgendwelche Artikel übers Schreiben lese oder mir kluge Sprüche vom Mark Twain oder G.R.R. Martin ansehe. Doch im Grunde habe ich es aufgegeben, in dieser Menge an Informationen nach wirklich verlässlichen Tipps zu suchen.

Stattdessen lerne ich nun ganz altmodisch aus Büchern. Manchmal sind es sogar übers Schreiben, doch meist nehme ich mir ein Beispiel an erfolgreichen Romanen und den Stellen darin, die ich persönlich am Besten finde.

Außerdem ist Schreiben letztlich wie jede andere Kunstform: Nur bis zu einem gewissen Punkt erlernbar. Wahre Meister haben sich schon immer über ihre Lehrer hinweggesetzt und ihr eigenes Ding gemacht.

Am Ende nützt dir die Theorie herzlich wenig. Was du tun musst, ist schreiben. Der Rest ergibt sich von selbst.

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Fazit

Im Grunde geht es darum, die richtigen Anforderungen an sich selbst zu stellen.

Machst du es dir zu leicht, verlierst du die Lust. Machst du es dir zu schwer, verlierst du den Mut.

Wenn du dich also langfristig um dein Buch-Baby kümmern können willst, musst du wissen, was du kannst, wie viel du kannst und wann du dir Hilfe suchen musst.

Ich glaube an mein Baby und könnte es niemals aufgeben.

Wenn du jedoch merkst, dass deine Idee nirgendwohin führt, es weder vor noch zurück geht und auch links und rechts, oben und unten kein Weg lang führt; Wenn du merkst, dass du den Glauben verlierst…

Dann ist es vollkommen okay, gesund und wahrscheinlich auch notwendig, zu trauern und dich zu verabschieden.

Du kannst etwas Neues beginnen, das Alte hinter dir lassen und es besuchen kommen, wann immer du willst.

Das Schöne an Büchern und Ideen ist, sie sind nie wirklich tot. Wenn dir eines Tages doch noch eine Möglichkeit zur Widerbelebung einfällt, kannst du das Grab ausheben und einen neuen Versuch wagen.

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