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5 Punkte, die in deinem ersten Kapitel nicht fehlen dürfen

Es hängt viel am ersten Kapitel. Denn dies ist zumeist nicht nur der Ort, an dem der Grundstein für den Rest des Buches gelegt wird. Es ist auch das, was der Leser zuerst sieht und mögen muss.

Große Erwartungen werden an das erste Kapitel gestellt, von Autoren und Lesern gleichermaßen. Umso höher ist der Druck und das Bedürfnis nach Perfektion. Ich weiß nicht, wie oft ich schon ein Werk aufgegeben oder von Vorn begonnen habe, weil mich der Anfang nicht mal selbst überzeugen konnte.

Wie viele Leute stehen im Buchladen und lesen sich erstmal die erste Seite durch, bevor sie entscheiden, ob sie das Buch wirklich kaufen wollen?

Darum habe ich eine kleine Liste zusammengestellt mit den wichtigsten Dingen, die ein erstes Kapitel meiner Meinung nach haben muss.

(P.S.: Mittlerweile habe ich für mich beschlossen, dass das erste Kapitel – meinetwegen sogar die ersten Kapitel – erstmal scheiße sein können. Wir leben im 21. Jahrhundert, nichts ist hier mehr in Stein gemeißelt. Worauf es letztlich ankommt, ist Weitermachen. Verlier niemals den Mut.)

Leeres Notizheft mit Stift vor beginn des ersten Kapitels
Image by Dariusz Sankowski from Pixabay

1. Der erste Satz

Der erste Satz ist wie das erste Kapitel in Miniaturformat: Es ist das Erste, was der Leser liest und deshalb vollgepackt mit hohen Erwartungen.

Er soll Interesse wecken, spannend sein, den perfekten Auftakt für eine entsprechend wundervolle Geschichte bieten. Doch das ist schwerer als gedacht, denn dieser Satz ist wie ein Versprechen. Kann der Rest des Kapitels oder des Buches dieses Versprechen nicht halten, kann das äußerst enttäuschend werden und das Buch wird beiseite gelegt.

Ein paar Tipps, was der perfekte erste Satz enthalten könnte, habe ich deshalb hier zusammengefasst.

  1. Ein Hinweis auf eine ungewöhnliche Eigenschaft des Hauptcharakters. (z.B.: ein merkwürdiger Name, übernatürliche Fähigkeiten, Ticks, Verhaltensstörungen aufgrund von Ängsten oder Traumata,…)
  2. Die Andeutung eines Mysteriums. Meist liegt dies entweder in der Vergangenheit oder steht dem Protagonisten unmittelbar bevor.
  3. Die Sicht des Protagonisten auf das (oder ein) zentrale(s) Thema des Buches. (z.B.: Liebe, Tod, das Verschwinden geliebter Menschen,…)
  4. Die Hauptfigur ist gerade dabei etwas zu tun, das ihr Leben vermutlich verändern wird.
  5. Der Protagonist sagt etwas Aufsehenerregendes oder bekommt es gesagt. (z.B.: eine verhaspelte Liebeserklärung, seltsame oder schockierende Beschimpfungen, unpassende Vergleiche)

Im Grunde gilt jedoch: Alles Ungewöhnliche oder ungewöhnlich Dargestellte erregt Interesse. Schaffst du es dann noch, dies verständlich, kurz und knapp in einen Satz zu packen, hast du gewonnen.

Im Internet gibt es viele weitereTipps, Anregungen und Diskussionen übers Schreiben des ersten Satzes. Wer mehr darüber wissen möchte, findet mehr Informationen hier und hier.

2. Hook – Der Haken, der das Interesse des Lesers angelt

Der Hook soll das Interesse des Lesers erregen. Idealerweise geschieht das schon im ersten Satz, mindestens aber auf den ersten paar Seiten. Je eher, desto besser. Hast du einmal Interesse erweckt, besteht eine gute Möglichkeit, dass dein Buch gekauft und vorerst weiter gelesen wird.

Das Versprechen, das der erste Satz gegeben hat, sollte hier auf bestmögliche Art eingelöst werden. Die vorgestellte Situation muss ausgebaut und erweitert werden. Etwas besonders Schönes oder Schlechtes oder (du erräts es) Ungewöhnliches muss geschehen.

Eine gute Taktik ist es hier, sich eine Einstiegskrise (siehe Punkt 4) zu überlegen, die dem Alltag des Protagonisten einen speziellen Touch verleiht. Oder auch sofort mitten im Geschehen einzusteigen, während des Inciting Incidents (also dem Auslösenden Moment deiner Geschichte, siehe Punkt 5). So stellst du sicher, dass die Spannung von Anfang an hoch ist.

Bei diesem Vorgehen solltest du jedoch auch darauf achten, dass du genug Informationen über deine Hauptfiguren mitgibst, bevor du sie in eine lebensgefährliche Situation steckst. Andernfalls interessiert es kein Schwein, was aus diesen unbekannten Variablen wird.

3. Das Leben des Protagonisten vor Beginn der Story

Zeisender vor einem abfahrenden Zug

Warum ist das relevant? Wie im vorhergehenden Punkt bereits erklärt, ist es wichtig, dass der Leser einen Eindruck von deinem Protagonisten erhält, damit er sich mit diesem identifizieren oder zumindest mitfühlen kann. Ansonsten ist ihm vollkommen egal, was aus deinem Protagonisten wird. Und warum sollte er dann überhaupt noch weiterlesen?

Keiner verlangt eine umfassende Beschreibung deiner Hauptfigur, weder was Aussehen, Lebensgeschichte noch aktuelle Streitereien mit Kollegen angeht. Charakterisierung ist wie Salz in der Suppe: zu wenig davon und die Suppe bleibt lasch, zu viel und die Leute verziehen das Gesicht und schieben den Teller von sich weg – oder wenn sie es essen, dann nur weil sie der Hunger plagt und es nichts Besseres gibt.

Darum hier mein Tipp: Streue hier ein Körnchen und da ein Körnchen Charakterisierung. Schmeiß nicht alles auf eine Stelle, sondern verteile es gut, arbeite es in das Geschehen und die Handlungen ein. Zeige nervöse Ticks während Gesprächen, lasse deine Protagonistin eine dunkle, lockige Strähne hinters Ohr stecken, folge kurz ihren Gedankengang zum derzeitigen Familienproblem ohne genauer darauf einzugehen. Sag etwas, aber verplaudere dich nicht.

Ein grobes Bild soll für den Anfang genügen. Auf die Details kannst du in späteren Artikeln eingehen.

Dasselbe gilt übrigens auch für alle anderen Figuren, die in deinem ersten Kapitel auftreten.

4. Die Einstiegskrise

Die Einstiegskrise definiert ein Problem, das sich aus dem Alltag des Protagonisten ergibt und direkt oder indirekt zum auslösenden Moment der Story führt.

Ein Beispiel dafür: Jimmy wird auf der Straße überfallen und wehrt sich (Einstiegskrise). Wegen dieser Auseinandersetzung wird er von der Polizei aufgegriffen und mit aufs Revier genommen. Dort begegnet er der Liebe seines Lebens (Auslösender Moment).

Image by BodyWorn by Utility from Pixabay

Nun dasselbe Beispiel ohne Eingangskrise: Jimmy wurde bestohlen, ohne es zu merken. Er geht auf die Polizeistation um den Diebstahl zu melden und trifft da die Liebe seines Lebens.

Beides führt zum selben Ergebnis, doch in einer Version ist Jimmy ein tatkräftiger, junger Mann, der keine Angst davor hat sich gegen Unrecht zu wehren. Man sieht von Anfang an, wozu er fähig ist und weiß, dass er auch zukünftig zu ähnlichen Taten bereit wäre.

In der anderen Version wirkt er eher wie ein trotteliger Sekretär, der sich über eine Ungerechtigkeit beschweren geht.

Was davon klingt nun nach der besseren Geschichte?

Die Eingangskrise ist eine wunderbare Möglichkeit um vom ersten Moment an Spannung aufzubauen und über längere Zeit zu halten.

Ist man sich dessen einmal bewusst, wird es gleich viel einfacher ein besseres erstes Kapitel zu schreiben. Bist du mit deinem Kapitel nicht zufrieden, kann es vielleicht daran liegen, dass du keine solche Krise eingebaut hast.

5. Auslösender Moment

Nicht alle ersten Kapitel enthalten auch immer den auslösenden Moment. Manchmal geschieht der erst zwei/drei Kapitel später. Wenn deine Geschichte es nicht anders zulässt, ist es auch vollkommen okay – solange die hinführenden Kapitel fesselnd genug sind.

Ich persönlich vertrete jedoch die Meinung, dass die Geschichte zusammen mit dem Buch beginnen sollte. Das Schlimmste, was einem Buch meiner Meinung nach passieren kann, sind zig Seiten Exposition, eine Aneinanderreihung von Dingen, Personen und Ereignissen, die irgendwann eventuell mal relevant werden könnten.

Um das zu verhindern, sollte der auslösende Moment Teil des ersten Kapitels sein.

Bevor du also beginnst, dein erstes Kapitel zu schreiben, solltest du dir bewusst werden, welches Ereignis die Kette aller weiteren Ereignisse in Bewegung setzt – Und genau da ansetzen.

Eine gute Möglichkeit ist es, das Buch direkt an der entscheidenden Stelle zu beginnen. Also den Leser sofort in die Handlung hineinzuwerfen und ihn zusehen zu lassen, wie sich das Leben des Protagonisten auf einen Schlag ändert.

Das ist eine andere, direktere Möglichkeit als die Einstiegskrise, um den Leser an den Haken zu kriegen.

Jeder auslösende Moment ist so individuell wie die Geschichte selbst, doch manchmal kann es schwierig sein, ihn zu ermitteln. Dabei steht und fällt ein guter Anfang mit dem auslösenden Moment.

Schlussgedanke

Ein Kapitel lässt sich ebenso gut planen wie ein ganzes Buch. Wenn es dir schwerfällt, einfach drauflos zu schreiben oder du in der Vergangenheit daran gescheitert bist, macht es für dich wahrscheinlich Sinn zu überprüfen, ob alle essentiellen Elemente in deinem ersten Kapitel enthalten sind.

Natürlich kannst du dies auch alles noch rückwirkend in dein erstes Kapitel einfügen. Du kannst alles überarbeiten, neu schreiben, umschreiben. Oder Unnützes streichen.

Das Wichtigste am ersten Kapitel ist, dass man es schreibt. Schreibt und hinter sich lässt. Nur so kann man mit dem Rest des Buches weitermachen und irgendwann vom Anfang auch zum Ende kommen.

Denn so wichtig ein guter Beginn auch ist, wichtiger ist es ein begonnenes Projekt auch zum Ende zu bringen.

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