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Wörter zählen beim Schreiben – Masse über Qualität?

Viele – wenn nicht gar die meisten – Autoren zählen ihre Wörter beim schreiben. Natürlich nicht per Hand, dafür gibt es digitale Anzeigen bei Word. Scrivener hat sogar einen Fortschrittsbalken, der bei entsprechender Einstellung den geschafften Tageswert mitzählt und dich benachrichtigt, wenn du dein Tagesziel erreicht hast.

Früher habe ich nie verstanden, warum man so etwas tun wöllte. Für mich hatte Schreiben schon immer mit Worten zu tun, nicht Zahlen. Darum habe ich meinen Fortschritt anhand geschaffter Kapitel gemessen – was oftmals zu übereilt beendeten, zu kurzen Kapiteln führte, die ich innerhalb eines Nachmittages runterschrieb. Und beinahe jede Schreibsession fing ich ein Neues an.

Diese Kapitel waren – gelinde gesagt – nicht so der Brüller… Was auch anderen Faktoren zu verdanken war, wie einer mangelhaften Outline, ständig neuen Ansätzen und Ideen…

Deshalb hatte ich mich entschieden für die Challenge mal alles anders zu machen. Wirklich mit System vorzugehen. Und dazu gehörte auch das Wörter-Zählen.

Vorteile vom Wörter zählen beim Schreiben

Jedes gute Buch hat Struktur, auch wenn uns diese als Leser oft nicht auffällt. Genauso sollte man auch beim Schreiben eines (hoffentlich) guten Buches strukturiert vorgehen.

Die eigenen Worte zu zählen hilft dabei ungemein. Denn Zahlen sind ein messbarer Wert, an denen sich der eigene Fortschritt problemlos ablesen lässt. Jeder, der eine Weile lang seine täglich geschriebenen Worte notiert, kann relativ gut abschätzen, wie schnell er ein Projekt abschließen kann.

Andersherum kann man sich auch ein Ziel setzen. In meinem Fall bedeutet das 110.000 Wörter in 4 Monaten. Wie ich auf diese Zahlen gekommen bin? Ich hab ein wenig rumprobiert.

Ich kannte mein Werk. Wusste, in welche Genre ich es einordnen konnte und habe mir dazu die empfohlenen Wortzahlen angesehen. So hat ein Fantasy-Roman in der Regel zwischen 90.000 und 120.000 Wörter. Thriller haben ca. 70.000 bis 90.000. (Einen schönen Beitrag dazu findest du hier.) Mein Werk soll eine Mischung aus beidem werden. Angesichts des Umfangs der Welt und Ereignisse habe ich mein Ziel jedoch lieber etwas höher angesetzt.

(Werbung in eigener Sache: Infos zu meinem Werk findet ihr jetzt in der Rubrik „Über Chaperone„)

Ich wollte den ersten Entwurf schnell herunterschreiben. Damit keine neuen Ideen oder Zweifel dazwischen kommen könnten. Ich hatte die Zeit. Ich wusste, dass ich an mehreren Tagen der Woche mehrere Stunden zum Schreiben zur Verfügung haben würde. Nach ein wenig herumprobieren, habe ich eine Zeiteinteilung und ein Tagesziel für mich gefunden, mit dem ich das angesetzte Ziel gut erreichen könnte.

Mit 1.500 Worten an 4 Tagen die Woche komme ich in den 17 Wochen zwischen 1. September und 31.Dezember auf 102.000 Worte, solange ich mich an alle angesetzten Schreibzeiten halte. Ist sehr optimistisch, da das bedeutet, dass ich mein Tagesziel regelmäßig überschreiten muss, aber darauf lasse ich es ankommen.

Jeder kann auf diese Weise seine eigenen Ziele festsetzten. Wichtig dabei ist nur, dass man realistisch bleibt. Es kann sehr demotivieren sein, sich ein hohes Ziel zu setzen und nach kurzer Zeit feststellen zu müssen, dass man es unmöglich schaffen kann.

Wer bisher Probleme damit hatte viel in kurzer Zeit zu schreiben, dem könnte ein Wortzähler helfen. Ein festes Wortziel wirkt unheimlich motivierend, den Zwang zum Perfektionismus abzuschütteln, sich daran zu erinnern, dass man so oder so eine Überarbeitungsphase brauchen wird, und einfach den Gedanken freien Lauf zu lassen.

So schreibt man automatisch ausführlicher – besonders was Beschreibungen von Personen, Landschaften, Räumen, etc. angeht.

Ein weitere Vorteil ist, dass man eher dem Drang widersteht, ein Kapitel tausendmal neu zu schreiben. Denn das würde Stagnation, oder schlimmstenfalls Rückschritt bedeuten. Indem man bereits Geschriebenes löscht, entfernt man sich von seinem Ziel. Also schreibt man weiter. Legt abgeschlossene Kapitel zu den Akten. Konzentriert sich nur auf das, was vor einem liegt. Ein wahnsinniger Vorteil, für alle die damit Probleme haben konstant weiterzuschreiben. Aber auch ein zweischneidiges Schwert.

Nachteile vom Schreiben mit Wortzähler

Wie bereits gesagt, wird man es vermeiden wollen, Kapitel oder Passagen zu löschen, seien sie noch so schlecht oder unnötig. Das schadet der Qualität des Manuskripts natürlich.

Deshalb sollte man von vorn herein darauf achten, nicht zu viel überschüssiges zu schreiben, nur um das Tagesziel zu erreichen. Denn auf lange Sicht betrachtet, bringt das überhaupt nichts. Spätestens in der Überarbeitungsphase wird man diese überflüssigen und schlechten Passagen löschen wollen und müssen. Was einem dann an Kontext und Informationen verloren geht, muss man alles nacharbeiten, neu schreiben.

Solange man sich aber ein wenig Mühe gibt und bewusst ans Schreiben geht, ohne nur auf den rein theoretischen Aspekt – die Zahlen – zu achten, kann man trotzdem gute Qualität erreichen ohne an Quantität einzubüßen. Oder… andersherum.

Auf die Gefahr hin, dass ich mir jetzt selbst widerspreche: Wörter zu zählen eignet sich am Besten für den ersten Entwurf. Und beim ersten Entwurf geht es hauptsächlich darum, Worte zu Papier zu bringen, egal wie gut, schlecht oder gar scheiße sie sind. Solange sie da sind.

Wer sich also nicht gehen lassen kann, den Anspruch auf sofortige Perfektion nicht ablegen kann, für den kann es schwierig werden mit Wortzähler zu schreiben. Denn je mehr man auf Qualität achtet, desto weniger Masse schafft man in der gleichen Zeit.

Fazit

Kennt man sein Tempo, ist das Wörter zählen beim Schreiben eine gute Möglichkeit, um realistische Ziele zu setzen und diese mit ein wenig Fleiß auch zu erreichen. Man schafft es, schnell Masse zu machen.

Für die Qualität des Werkes muss man jedoch vorher – durch die Ausarbeitung einer detaillierten, lückenlosen Outline – und hinterher sorgen – in der Überarbeitungsphase.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. п»їIch genoss alle eure Posts.Fantastische Arbeit.Danke fГјr wirklich fantastischen Blog.Es war sehr hilfreich.Ich bin so froh, dass ich es gefunden habe.
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