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Der erste Akt

Mit meinem 4-Monats-Projekt bin ich nur am Ende des ersten Aktes angelangt. Der Anfang fiel mir leicht, doch natürlich bringt jeder Prozess seine eigenen Probleme mit sich.

Welche Dinge für deinen ersten Akt wichtig sind und was du beachten solltest, damit er großartig wird, erfährst du hier

1. Den Protagonisten vorstellen

Der Protagonist ist die zentrale Figur deines Romans; Derjenige, durch dessen Augen wir die Welt sehen, Problemen begegnen, Mitfiebern.

Deine Hauptfigur sollte deshalb jemand sein, mit dem man sich – auf welche Art auch immer – identifizieren kann, dessen Probleme, Wünsche und Träume man nachvollziehen kann. Dafür ist es wichtig, einen Menschen zu präsentieren – keine Figur, keinen Charakter, kein Klischee.

Dabei kann die Art, wie man eine Figur vorstellt, schon sehr stark beeinflussen, wie wir (als Leser) diese Figur später wahrnehmen. Stellt man seinen Protagonisten beispielsweise vor einen Spiegel und lässt ihn zahllose, scheinbar unzusammenhängende Dinge über sich selbst erzählen, wirkt das wenig überzeugend und noch weniger sympathisch.

Schafft man es dagegen, Schritt für Schritt die wichtigsten Details, Charakteristika und Eigenschaften der Hauptfigur ins Geschehen mit einfließen zu lassen, macht man nicht nur als Autor eine professionelleren Eindruck, sondern schafft es auch, den Protagonisten dreidimensional und menschlich erscheinen zu lassen.

Um genau das zu erreichen, gibt es ein paar Dinge, Tricks und Taktiken, die man anwenden und auf die man achten sollte. Mehr dazu findest du im Beitrag Protagonisten vorstellen.

2. Alltag und Welt des Protagonisten definieren

Auch das ist Teil des ersten Aktes und eng verbunden mit der Vorstellung des Protagonisten selbst. Schließlich existiert er oder sie nicht in einem luftleeren Raum, sondern wird definiert von seinen eigenen Lebensumständen, der Familie, Freunden (oder dem Fehlen von Freunden), Arbeit und Schule,… Die Liste setzt sich fort.

Wie auch beim Protagonisten selbst, solltest du hierbei darauf achten, dass all das nicht in einem Infodump – also das schlichte Abladen aller möglichen Informationen über die Welt an einem Ort, wie bei einer Müllkippe – ausartet. Auch diese Informationen sollten an der richtigen Stelle angebracht werden, da wo sie sinnvoll und wichtig werden. So kann und sollte es manchmal bis zum Ende des Buches noch Dinge geben, die dem Leser neu sind.

Am Anfang reicht ein kurzer Einblick in den Alltag der Hauptfigur. Gerade genug, um den Leser verstehen zu lassen, wie sein derzeitiges Leben aussieht, womit er vielleicht zu kämpfen hat. Jedoch nicht so viel, dass es den Leser langweilt.

Eine gute Methode, um das zu bewirken, ist die Nutzung einer sogenannten Einstiegskrise: Eine Situation, die sich direkt aus dem Alltag des Protagonisten ergibt, ihn jedoch herausfordert und zwingt, ein Stück weit aus seiner Komfortzone herauszutreten. So liefert man idealerweise schon einen Vorgeschmack auf das, was kommt.

Besonders für die Character Arc der Hauptfigur ist es wichtig, den Ausgangspunkt aufzuzeigen. Egal, ob sich dein Prota (oder jede andere Figur) zum guten oder zum schlechten wandelt, die Geschichte mit all ihren Höhen und Tiefen wird etwas in ihr auslösen und verändern. Um diese Veränderung – diese neue Weltsicht – erkenn- und greifbar zu machen, ist es wichtig zu wissen, wo die Figur ursprünglich stand.

3. Der Inciting Incident

Dies ist der Startschuss für deine Geschichte; das Ereignis, aus dem alle weiteren Ereignisse resultieren. Das große WAS WÄRE, WENN…

jede gute Story lebt vom Konflikt und der Inciting Incident – der auslösende Moment – ist der Auslöser all dieser Konflikte. Darum lastet meist eine besonders große Verantwortung auf seinen Schultern.

All die Informationen, die man bis dahin über den Protagonisten und dessen Welt erhalten hat, sollten nun dazu beitragen, die Spannung zu verstärken. Aufgezeigte Schwächen und Stärken werden herausgefordert, Dinge, die der Protagonist stets vermied, muss er nun konfrontieren. Das Ereignis verändert sein Leben, stellt ihn vor Aufgaben und Herausforderungen, gibt ihm ein Ziel.

Genaueres darüber, wie die einen gelungen Inciting Incident verfasst, erfährst du in diesen 5 schnellen Tipps.

4. Die Veränderungen, die der Inciting Incident auslöst – und deren Auswirkungen auf die Umgebung

Wie bereits erwähnt, verändert der Inciting Incident das Leben des Protagonisten und stellt ihn vor bisher unbekannte Herausforderungen.

Es ist nun dein Job zu zeigen, inwiefern und wie sehr sein Leben sich verändert. Verliert er Freunde? Gewinnt er welche? Löst er Versprechen ein oder kann sie plötzlich nicht mehr halten? Versucht er, dem ganzen zu entkommen, seinem Schicksal zu entfliehen oder stellt er sich der vor ihm liegenden Aufgabe? Warum? Wie?

Jede Aktion erfordert eine entsprechende Reaktion. Jede Entscheidung hat Konsequenzen, selbst wenn diese nicht von herein abzusehen sehen. Genau das macht eine gute Geschichte so spannend.

Die Reaktionen müssen sich direkt aus der Aktion ergeben. Sie müssen logisch und nachvollziehbar sein. Gleichzeitig jedoch auch nicht zu vorhersehbar.

Um das zu erreichen, versuche, die Konsequenzen aus einer anderen Richtung kommen zu lassen. Z.B.: Während des Inciting Incident hat dein Prota sein komplettes Geld verloren und muss nun einen Weg finden, zu überleben und den Weg in sein gewohntes Leben zurückzufinden. Er erwartet Probleme mit dem Vermieter, muss vielleicht Freunde bitten ihm Einen auszugeben. Womit er nicht rechnet, ist dagegen das Auftauchen seiner Schwester, die selbst mal eine schwere Zeit durchmacht hat und ihm deshalb nun unter die Arme greifen möchte.

Der Inciting Incident hat den Protagonisten in eine ungewohnte, neue Lage gebracht. Er reagiert darauf, indem er versucht seine Situation zu verbessern. Die Schwester ist die unerwartete Variable. Eine, mit der er jedoch hätte rechnen können, wenn er soweit gedacht hätte.

Seine Situation beeinflusst nun auch die Schwester – was wird sie tun, welche Reaktionen wird sie provozieren, um ihm zu helfen?

Von hier aus kann man die Geschichte noch unendlich weiter spinnen. Dein Job als Autor ist es, genau das zu tun. Denk in jede Richtung, nicht nur rechts oder links. Und von da aus, denk noch ein bisschen weiter.

Dein Protagonist wird für sich wahrscheinlich nur zwei oder drei Möglichkeiten sehen. Es ist dein Job, das erst glaubhaft zu verkaufen und dann die vierte oder fünfte Möglichkeit zu präsentieren.

So groß wie die Welt, die du erschaffen hast, so groß sind auch ihre Möglichkeiten. Nutze sie, um Veränderungen zu bewirken. Denn diese Veränderungen(egal wie klein sie zunächst erscheinen) sind in jeder Geschichte von großer Bedeutung. Sie führen dich zum nächsten Schritt in deiner Geschichte.

5. Die erste, große Herausforderung

Die erste großer Herausforderung nach dem Inciting Incident (denn auch dieser sollte eine Herausforderung für deinen Prota darstellen), kann sich direkt aus ihm ergeben und mit den Veränderungen, die er auslöst, einhergehen. Im vorausgegangenen Beispiel wäre diese Herausforderung die Begegnung mit der Schwester oder könnte sich daraus ergeben.

Diese Herausforderung ist die letzte Möglichkeit für deine Hauptfigur, in ihr altes Leben zurückzukehren, bzw. die Auswirkungen des Inciting Incidents rückgängig zu machen.

Stattdessen werden die Dinge jedoch wahrscheinlich nicht so laufen, wie der Prota sich das vorstellt. Anstatt ihn in sein altes Leben zurückzuführen, führt die Herausforderung ihn geradewegs auf den ersten Plottwist, und damit den Point of no Return, zu.

6. Der erste Plottwist

Wir nähern uns dem Ende des ersten Aktes.

Ähnlich wie in Punkt 4 beschrieben, ist der Plottwist eine Auswirkung der vorangegangenen Ereignisse. Nur dass der Plottwist noch unvorhersehbarer ist und weitaus verheerendere Auswirkungen mit sich bringt.

Der erste Plottwist nimmt dem Protagonisten alle Hoffnungen auf eine (zeitnahe) Rückkehr in seinen Alltag. Woraus dein Plottwist auch besteht – dem unerwarteten Auftauchen einer bisher unbekannten Person, Einholen der Vergangenheit, der Tod einer bedeutenden Figur, das Eröffnen plötzlicher, neuer Möglichkeiten, … – dem Protagonisten wird klar, dass er den vor ihm liegenden Aufgaben nicht länger den Rücken kehren kann. Stattdessen nimmt er sich endlich ihrer an. Er hat einen Grund zum kämpfen gefunden. Oder jeden Grund verloren, es nicht zu tun.

7. Einstieg und Übergang in die neue Welt (und den zweiten Akt)

Der erste Akt endet an dieser Stelle und geht über in den Zweiten. Dort erwarten ihn neue, noch größere Herausforderungen, mehr unerwartete Wendungen, weitere Aufgaben, denen er sich annehmen muss.

Im Grunde sind wir damit wieder bei Punkt 4 gelandet. Nach dem Plottwist versucht der Prota sich an seine neue Situation anzupassen, das Beste daraus zu machen. Das ewige Hin und Her von Aktion zu Reaktion wird fortgesetzt.

Der Protagonist entfernt sich nun immer mehr von der alten Welt. Die neue Welt, ein neuer Alltag, neue Regeln werden vorgestellt und etabliert. Noch versteht der Prota wenig davon, was Teil der Herausforderung ist. Doch schon im zweiten Akt wird er lernen, mit der neuen Situation besser umzugehen.

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