E-Mail: admin@autor-unbekannt.de
Infodumps vermeiden

Infodumps vermeiden

Es können die verschiedensten Arten von Informationen sein: Charaktermotivationen, Familiengeschichten, Infos zum Worldbuilding oder den aktuellsten Ereignissen in deiner Welt. Irgendwie muss man sie dem Leser begreiflich machen.

Aber wie vermeidest du diese grauenvollen Haufen von Informationen, angeordnet auf die unkreativste Art und Weise… Infodumps.

Hier sind vier sichere Methoden…

1) Unwichtiges herausfiltern

Was muss der Leser wirklich wissen? Also… Wirklich?

Sicher, ein grobes Verständnis der vorherrschenden Staatsstruktur ist wahrscheinlich notwendig. Doch muss er auch die Lebens- und Leidensgeschichte der Frau des Abgeordneten für Agrarwirtschaft kennen? Braucht er eine Liste aller möglichen Strafen, die für erhöhte Geschwindigkeit drohen? Wahrscheinlich nicht.

genauso wenig ist es wahrscheinlich relevant, jedes Detail eines jeden Raumes zu beschreiben, den dein Protagonist betritt.

Bevor du dir also darüber Gedanken machst, wie du Informationen am Anschaulichsten vermittelst, solltest du darüber nachdenken, welche Informationen überhaupt wissenswert sind. Und welche nur ein netter Zusatz oder (an dieser Stelle und in diesem Zusammenhang) komplett unnötig sind.

2) Die richtige Platzierung

Du stellst eine neue Nebenfigur vor. Muss der Leser an dieser Stelle schon die komplette Lebensgeschichte des Charakters erfahren. Wahrscheinlich nicht.

Wenn du dich einem Fremden vorstellst, platzt du wahrscheinlich auch nicht sofort mit der Tür ins Haus und erzählst von den traumatischsten Erlebnissen aus deiner Kindheit. Du stellst dich vor, mit Namen, vielleicht Nachnamen und erklärst vielleicht woher du den Gastgeber kennst. Du beantwortest ein paar höfliche Fragen („Ja, ich bin jetzt schon 25 und Dauerstudent. Aber letztes Jahr habe ich mir meinen Traum von einer Weltreise erfüllt.“)

Wenn es dann innerhalb der Story relevant wird, kann man die Backstory der Figur dann an dieser Stelle einbinden. Wenn es nicht relevant wird (Jede Person, und damit auch jede Figur, hat irgendeine Vorgeschichte, aber nicht jede wird für ihren jeweiligen Werdegang innerhalb der Geschichte tatsächlich relevant werden), greift Punkt 1): Es ist unwichtig und kann – sollte, muss – weggelassen werden.

3) Show, don’t tell

Ein Infodump definiert sich als eine Masse an Informationen auf einem Haufen. Das bedeutet, all diese Informationen werden dem Leser praktisch vor die Füße geworfen. Es wird gesagt: Das ist so und das ist so. Es wird gesagt.

Um Infodumps zu vermeiden musst du also andere Wege finden, diese (jeweils an dieser Stelle relevanten) Infos rüberzubringen. Die wohl bekannteste Methode dafür ist „Show, don’t tell“ – Zeige es, anstatt es zu sagen.

Dein Prota ist kein sonderlich sozialer Mensch? Dann zeige seine abwehrende, abwertende Haltung gegenüber Anderen.

Jemand ist frustriert? Dann mache das durch entsprechende Körpersprache und in Gesprächen mit anderen deutlich.

Die Regierung ist korrupt und ungerecht? Dann zeige dies, indem du eine deiner Figuren in Konflikt mit ein paar sinnlosen Gesetzen kommen lässt.

Statt einer Aufzählung aller Familien-/Cliquen-/Sektenmitglieder und wie sie jeweils miteinander in Verbindung stehen, zeige die Gruppendynamiken, indem du deinen Prota diese erleben lässt.

Statt zwei Seiten, auf denen du nur erklärst, erhälst du so mehrere Szenen und sogar Kapitel, in denen du deinen Leser die Welt und all ihre komplexen Zusammenhänge und Hintergründe durch die Augen des Protagonisten erleben lässt.

Und ist das nicht der wahre Grund, warum wir lesen? Um abzutauchen in fremde Welten?

Also spar dir die Erklärungen. Lass lieber Taten sprechen.

4) Mach ein Rätzel draus

Wir Menschen sind paradoxe Wesen. Wenn uns viele Informationen frei zur Verfügung stehen, wollen wir sie nicht haben – oder nur begrenzt. Wenn wir jedoch um sie kämpfen müssen, wollen wir sie unbedingt.

Darum kann die Art und Weise, wie eine Information vermittelt wird, deren Wert definieren.

Du hast also eine Info für den Leser, die relevant und passend ist und bist nun an dem Punkt angelangt, an dem du sie ihm mitteilen könntest. Jetzt stehst du vor der Wahl: Offenbarst du die Info, oder behälst du sie für dich.

Je länger du Letzteres tust, desto neugieriger wird der Leser und desto mehr giert er nach diesem speziellen Detail.

Krimis leben davon. Doch auch wenn du keinen Krimi schreibst, kannst du dir hinsichtlich der Informationenverarbeitung etwas von Krimiautoren abgucken. Sie warten wirklich bis zum allerletzten Moment, bis sie ihr Wissen teilen. Wenn der Ausgang der Geschichte abhängig von dieser Information ist.

Natürlich musst du es nicht so drastisch aufziehen. Der Rätzel-Trick funktioniert auch schon im kleinen Maßstab und ist besonders wirkungsvoll, was Charaktermotivationen und Backstory angeht.

Zeigst (siehe Punkt 3) du z.B., wie jemand mit starker Abneigung auf etwas reagiert, stellt sich schnell die Frage: Was hat er? Warum verhält er sich so? Was ist sein verdammtes Problem?

Das kann sich ein paar Mal wiederholen. Stück für Stück werden neue Aspekte aufgedeckt, winzige Details, die minimal mehr Aufschluss über seine Vergangenheit geben. Bis ihn dann vielleicht ein anderer Charakter darauf anspricht oder er sich seinen Problemem schlussendlich stellen muss.

Manchmal wird so eine Frage nie beantwortet und der Leser rätzelt nach Beenden des Buches noch immer. Manchmal wird die Frage auch erst im zweiten Teil der Reihe beantwortet oder im Dritten.

(Die Backstory eines Charakters zu kennen ist aus genau diesem Grund auch so wichtig. Selbst wenn du die Vorgeschichte selbst nicht in das Buch mit einbindst, hat sie Auswirkungen auf das Verhalten und Handeln deiner Figur. Keine Person ist jemals ganz frei von seiner Vergangenheit.)

Tanze um das Thema herum. Lass zwei Figuren darüber sprechen, aber nicht klar auf dem Punkt bringen, was sie meinen. Lass den Leser eine Ahnung haben, aber nichts Konkretes wissen. Stückle die Infos und verteile sie innerhalb der Geschichte. Lass hier und da mal ein Detail erwähnt werden, ohne dem Leser die Zusammenhänge ins Gesicht zu schlagen.

Mach ein Rätzel draus.

Fazit

Informationen sind essentiell, um den Lauf deiner Geschichte voranzutreiben. Wirf sie deinen Lesern also nicht zum Fraß vor, sondern behandle sie wie die wertvollen Edelsteine, die sie sind. So erhöhst du die Spannung und Qualität deines Buches um ein vielfaches.

Sei in der Art, wie du die Infos letzlich rüberbringst, kreativ. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, den Leser etwas wissen zu lassen. Genug, um nicht unbedingt auf dubiose Traumsequenzen zurückgreifen zu müssen 😉

Ich wünsche dir viel Glück und Inspiration bei der Vermeidung von Infodumps. Bei Anregungen und Fragen kannst du dich immer bei mir melden, entweder in den Kommentaren oder persönlich per E-Mail.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen