Im Kampf gegen das System: Der Antagonist als Organisation

Im Kampf gegen das System: Der Antagonist als Organisation

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Gerade in Fantasy, Sci-Fi, diversen Thrillern und Dystopien ist es nicht selten, dass der Protagonist keinem einzelnen Antagonisten gegenüber steht sondern einer ganzen Organisation. Ich denke dabei an Panem, die IOI aus Ready Player One, die Macher hinter der Matrix oder das Imperium aus Star Wars.

Welche Art von Organistation du dabei für deine Geschichte wählst, ist egal. Ob die Regierung, eine Rebellengruppe, eine Firma, ein ganzes Land oder nur ein rivalisierender Sportverein, die Prinzipien sind dieselben.

Welche? Ich zeige dir ein paar Dinge, die du bei der Erschaffung von antagonistishen Organisationen beachten solltest.

Aufbau der Organisation

Philosophie und Ziele

Der Antagonist will etwas. Egal, welche Form er annimmt, die gegnerische Kraft wird immer von einen stark ausgeprägten Wunsch beherrscht.

Dieser Wunsch verbindet die Mitglieder der Organisation miteinander. Meist ist dieses Ziel in seiner Essenz gut (sonst würden es wohl kaum mehr als zwei Leute verfolgen), doch die Philosophie und Ausführung kennzeichnen ihren wahren Charakter. Sie repräsentieren die Idee, mit der die Mitglieder ihr Ziel erreichen wollen.

Vielleicht ist es der Wunsch einer Sekte, die Menschheit zu befreien. Ihre Philosophie ist jedoch, dass wahre Freiheit nur im Tod zu finden ist.

Vielleicht ist es der Wunsch einer Mannschaft, den Meisterschaftstitel zu holen. Jedoch könnte ihre Philosophie lauten: „Wer Erbarmen zeigt, verliert.“

Welches Gedankengut eint die Mitglieder deiner Organisation?

Entstehungsgeschichte

Dieser Punkt ist eigentlich selbsterklärend. Wie kam die Organisation zustande? Welchen Auslöser gab es? Eine Verschwörungstheorie? Die Vision eines Propheten? Umschwung und Revolution? Eine Zusammenlegung?

Je größer deine Organisation, desto wichtiger ihre Entstehungsgeschichte. (die Entstehung einer Regierung ist wesentlich interessanter und wichtiger als das Zustandekommen einer Schulklasse).

Stärken und Schwachstellen

Die Stärken und Schwächen einer bestimmten Gruppe lassen sich manchmal schon anhand ihrer Philosophie oder Entstehungsgeschichte ableiten.

Die Manschaft, die kein Erbarmen zeigt? Sie wird wahrscheinlich auch für die Fehler ihrer Mitglieder wenig Toleranz haben. Gleichzeitig besitzen sie sicherlich eine starke Angriffstaktik, Durchsetzungsvermögen und Fokus.

Eine Regierung, die in einer wirtschaftlichen Krisenzeit entstand, wird sehr darauf bedacht sein, die Wirtschaft fortan stabil zu halten, selbst wenn manche darunter leiden sollten.

Struktur und Hierarchie

Jede Organisation hat irgendeine Art von Oberhaupt. Jemanden, der sie gegründet hat und am Leben erhält. Jemanden, der die Mitglieder zusammenhält und ihren Fokus bewahrt, der die Regeln aufstellt.

Je nachdem, welchen Zweck die Organisation zu erfüllen hat, wird es verschiedene Rollen zu besetzen geben. Oberhäupter, Finanziérs, Köche, Mediziner, Mitläufer, Fans, Freiwillige, Buchhalter, Spezialisten, Trainer/Mentoren, Denker und Macher.

Du solltest dir überlegen:

  • Wie stehen all diese Leute in Verbindung zueinander?
  • Herrscht eine eher flache Hierarchie? Ist sie dynamisch oder starr?
  • Wer hat Macht/die Befehlsgewalt über wen?
  • Wie werden Informationen weitergeleitet?
  • Wird jede Position nur von einer Person oder mehreren besetzt? Gibt es Hierarchien innerhalb der Hierarchie (z.B.: einen Oberkoch unter den Köchen)?
  • Werden bestimmte Teil-Gruppen bevorzugt behandelt?
  • Wie werden Ressourcen verteilt?

Ein Video, das ich zu dem Thema empfehlen kann: On Worldbuilding: How Empires work von Hello Future Me. (Unbezahlte Verlinkung)

Welche Mitglieder üben welche Rolle aus?

Du kannst nicht jeden kennen. Und solltest das auch nicht. Je größer die Organisation desto unübersichtlicher werden all die Mitglieder und deren Verbindungen zueinander. Dennoch solltest du wissen, wer die wichtigsten Rollen inne hat.

Rollen wie beispielsweise die des Oberhauptes/der Oberhäupter oder Botschafter (wenn es soetwas bei dir gibt). Weitere wichtige Rollen, die mit ausgearbeiteten Charakteren besetzt werden müssen, werden durch die Bedürfnisse deiner Geschichte bestimmt.

Wie machst du die Organisation für deine Leser (be)greifbar?

Worldbuilding

Auch wenn es nicht das Erste ist, das in deinem Buch aktiv auftaucht, sollten deine Leser zumindest eine vage Grundidee der Organisation haben, wenn sie dann endlich ihren großen, ersten Auftritt feiert.

Und wie schaffst du das? Durch Worldbuilding.

Du solltest wissen, welchen Einfluss die Gruppe auf die Welt deines Protagonisten hat und welche Gerüchte vielleicht über sie kurrieren.

Dabei kannst du ein sehr abstraktes, von Irrtümern gespicktes Bild zeichnen (solange dieses Bild und die tatsächliche Natur der Org. sich wenigstens in ein paar Punkten überschneiden). Wenn der Pratagonist noch keinen persönlichen Kontakt zu der Gruppe oder einem ihrer Mitglieder hatte, kann er nur wissen, was auch alle anderen über sie wissen.

Irgendetwas sollte er jedoch schon mal gehört haben. Stichwort: Foreshadowing.

Wähle einen Repräsentanten

Eine Organisation als Ganzes ist schwer vorstellbar und schwer zu begreifen. Es ist zu groß, zu abstrakt. Aber einen einzelnen Menschen, der die Werte und Ideen dieser Org. vertritt? Das kann man sich schon eher vorstellen.

Dabei ist es egal, welche Rolle der Repräsentant innerhalb der Organisation einnimmt. Er kann ein ganz einfacher Fußsoldat sein, doch wenn er der Einzige ist, den dein Protagonist aus der Gruppe persönlich kennt, vertritt er erstmal automatisch die gesamten Werte und das Gedankengut der gesamten Gruppe.

Andersherum funktioniert das genauso. Jede gute und noch mehr jeder schlechte Eigenschaft der Figur wird auch der Organisation zugeschrieben.

Ein paar Beispiele: Tom Cruise und Scientology. President Snow und das Capitol von Panem, Darth Vader und das Imperium.

Die schreckliche Klassenlehrerin lässt für ihren Schuler das gesamte Schulsystem schrecklich erscheinen. Ein schlechtgelaunter Polizist lässt stellvertretend auch all seine Kollegen ungerecht aussehen. Eine Partei verdankt einem einzelnen, gewitzten Mitglied ihren schlechten Ruf…

Ich könnte weitermachen, aber ich denke, das Prinzip ist klar. Um deinen Lesern die Ideen und Motivationen, Ziele und Philosofien der Gruppe begreiflich zu machen, entwickle einen Repräsentanten, der sie vertritt. Auch wenn seine Werte und Verhaltensweisen die der Org. nicht exakt widerspiegeln (das macht es recht interessant), er gibt ihr ein Gesicht.

Definiere, auf welche Weise sie dem Pratagonisten im Weg steht

Deine Organisation ist immer noch ein Antagonist. Daher solltest du (wenn du es nicht schon längst getan hast) unbedingt definieren, inwiefern sie deinem Prota im Weg steht.

Kollidieren ihre Ziele mit seinen? Ist er ein Opfer ihrer Pläne und muss sich nun wehren? Oder sind es vielmehr ihre Methoden, die dem Prota ein Dorn im Auge sind?

Finde heraus und halte fest, wie genau die Organisation deinem Pratgoisten oder vielmehr wie dein Protagonist der Organisation feindlich gegenüber steht. Daraus ergibt sich dann auch schon deine Geschichte.

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