Die Einstiegskrise

Die Einstiegskrise

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Die Einstiegskrise ist der perfekte Beginn für die Handlung deiner Story.

Es gibt viele Kriterien, die ein erstes Kapitel erfüllen sollte und viele Dinge, die den Anfang gründlich versauen können.Doch dieses Wissen allein bringt dich nicht sehr weit. Du musst auch wissen, wie du es anwenden kannst.

Darum (nachdem ich es in so vielen verherigen Posts schon angesprochen habe) kommt heute mein Beitrag zur Einstiegskrise.

Was ist die Einstiegskrise?

Es ist die Krise vor Beginn der eigentlichen Story. Der Hook, die erste Begegnung mit dem Protagonisten, der Weg zum Inciting Incident.

Die Einstiegskrise holt den Leser vor seiner Haustür ab, zeigt ihm einen außergewöhnlichen Einblick in das Leben des Protagonisten, zeigt ihm, was er von der Story erwarten kann. Auf diese Weise wird der Leser vom ersten Moment gefesselt und bekommt dennoch das nötige Setup, um die Welt und die handelnden Personen ausreichend zu verstehen.

Wie sieht eine Einstiegskrise aus?

Manche glauben, man sollte direkt mitten im Geschehen beginnen, um die Spannung im Buch möchlichst hoch zu halten.

Doch das ist nur halb wahr.

Sicher, der Leser braucht ein wenig Action – etwas, das ihn fesselt – damit er mit Vergnügen weiterliest. Dennoch weiß er zu Beginn des Buches noch viel zu wenig (über die handelnden Figuren und deren Welt, deren Ziele), um die Gefahr einschätzen zu können, in der sie sich befinden. Ganz abgesehen davon, dass ihm unbekannte Charaktere meist noch völlig egal sind.

Es ist jedoch genauso falsch, das Buch mit einem Steckbrief des Protagonisten und einer Schilderung seines Alltags zu beginnen.

Was also sollte der Autor von Welt in diesem Fall machen?

Schritt Eins:

Er denkt sich eine kleine Krise (nichts allzu Dramatisches) aus, die ganauso aus dem Alltag des Protagonisten heraus entstehen könnte. Sie sollte ungewöhnlich genug sein, um den Prota zu stressen. Aber nicht so schlimm sein, dass es sein ganzes Leben ändern würde (dazu mehr in Schritt Drei 😉 )

Ein paar Beispiele:

  • Eriks Portemonnaie wird gestohlen
  • Lisa vergisst ihre Notizen für eine sehr wichtige Präsentation zuhause/im Bus
  • Joes Freundin macht mit ihm Schluss
  • Mias letzte/r lebende/r Verwandte/r wird schwer krank
  • Robin wird gefeuert

Schritt Zwei

Solche Situationen zwingen die Protagonisten zu einer Entscheidung. Diese Entscheidung wiederum definiert den Charakter deiner Hauptfigur und zwingt sie, einen anderen (Lebens)Weg zu beschreiten, als den Gewohnten.

Sie werden also gezwungen, aus ihrem Alltag auszubrechen und ihre Komfortzone zu verlassen.

Der Leser erhält hier einen Vorgeschmack auf das, was er im Rest des Buches von deiner Hauptfigur erwarten kann. Ist sie mutig? Ängstlich? Versucht sie etwas zu verstecken oder zu beschützen?

Idealerweise wird hier bereits das zentrale Thema mit angesprochen.

  • Erik geht zur Polizei, um den Diebstahl seines Portemonnaies zu melden (Er ist rechtschaffend)
  • Lisa improvisiert (Sie ist kreativ und nimmt Rückschläge nicht so hart)
  • Joe zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und kommt bei einem Freund unter (pragmatisch)
  • Mia entscheidet sich, in ihre Heimat zurückzukehren, um sich um das kranke Familienmitglied kümmern zu können (liebevoll und fürsorglich)
  • Robin bewirbt sich bei anderen Firmen (blickt nicht zurück)

Schritt Drei

Die getroffenen Entscheidungen haben schwerwiegende Folgen, die das Leben des Protagonisten grundlegend ändern werden.

Dieser Schritt ist im Grunde mit dem Inciting Incident gleichzusetzen. Hier findet der Übergang statt, vom Beginn des Buches zum Beginn der Handlung.

  • Auf der Polizeistation trifft Erik auf einen alten Freund, der jetzt ein Tatverdächtiger in einem Mordfall ist.
  • Lisa beeindruckt mit ihrer freien Sprechweise und erhält ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann.
  • Es stellt sich heraus, dass Joes Kumpel mit Drogen dealt. Als der verschwindet, muss Joe seinen Platz einnehmen.
  • Zurück in ihrer Heimatstadt begegnet Mia ihrer ersten, großen Liebe wieder und es fliegen neue Funken.
  • Die einzige Zusage, die Robin erhält, ist von der „Firma“ Okkulta – Ihre Dämonen- und Geisterbeschwörer

Was eine Einstiegskrise nicht ist:

  • Sie ist nicht der Beginn der Handlung, sie führt nur dahin
  • Die Einstiegskrise ist kein actionreicher Prolog, der auf den Hauptkonflikt/Klimax hindeutet
  • Sie ist keine Actionszene, die auf vergangene Missionen/Abenteuer aus dem Leben des Protagonisten hindeutet (Du kennst so etwas vielleicht aus James Bond. Man sieht den Protagonisten, wie er erfolgreich eine Mission erfüllt und heimkehrt, nur um dort vor eine noch größere Herausforderung gestellt zu werden – eine neue Mission, um deren Erfüllung sich dann die Haupthandlung dreht)

Wie finde ich die passende Einstiegskrise für mein Buch?

Die Krise an sich sollte etwas mit dem eigentlichen Thema deiner Geschichte zu tun haben.

So beginnt Eriks Geschichte beispielsweise mit einem Diebstahl, welcher zu einer Mordermittlung führt. Mias Liebe zu ihrer letzten verbliebenen Familie führt sie zu neuem, romantischem Glück.

Aber das ist kein Muss. In Joes Fall beginnt es mit einer Trennung und gipfelt im Kampf mit der Drogenszene. Robins Geschichte startet geschäftlich und dreht dann schnell in Richtung Fantasy ab.

Was wäre, wenn…?

Eine sehr schöne Frage, die schon unheimlich viele Geschichten inspiriert hat. Und sie ist auch super, um herauszufinden, wie du deine Einstiegskrise gestalten kannst.

Eignet sich am besten, wenn du erst wenig über den Plot weißt.

Wie gerät ein normaler Mensch in diese Art von Problemen?

Du kennst deinen Plot, deine Welt, deinen Protagonisten. Aber du weißt einfach nicht, wie die Geschichte anfangen soll?

Versuch dich zu fragen, was einem normalen Durchschnittsburger passieren muss, damit er dort stehen kann, wo auch dein Protagonist angekomen ist.

Frage dich nicht: Wie komme ich von Punkt A zu Punkt Z?

Frage dich: Wie komme ich von Punkt A zu Punkt B? Und von Punkt B zu Punkt C? Hangle dich so immer weiter voran, bis die Handlungsstränge zueinanderfinden.

Sie war ein ganz normales Mädchen, aber dann…?

Das ist eine Mischung aus den ersten beiden Methoden. Mit ihr bestimmst du den Punkt, an dem sich das Leben deiner Protagonistin ändert (Inciting Incident), falls du den bisher nicht klar definieren konntest.

Stell dir deine fertige Inhaltsangabe vor

Wenn alles nichts mehr hilft, verfasse eine Inhaltsangabe.

Eine Inhaltsangabe hat den Sinn, potentiellen Lesern einen Einblick zu geben und sie neugierig zu machen ohne zu viel zu verraten. Dabei brichst du deine Geschichte (Besonders ihren Beginn) auf ihre essentiellsten Bestandteile herunter.

Auf diese Weise erhälst du eine neue Sichtweise auf den Beginn deiner Story, kannst sie sozusagen von Weitem betrachten und besser definieren, was getan werden muss, um dieses Bild aufrecht zu erhalten.

Zusammenfassung

  • Die Einstiegskrise ist das Problem, das deinen Protagonisten zum Inciting Incident führt
  • Sie beginnt mit einer Krise, die aus dem Alltag deines Protas erwächst
  • Die Art, wie der Protagonist auf diese Krise reagiert, zeigt seine Persönlichkeit und führt zu einem Ereignis, das sein Leben grundlegend ändern wird – dem Inciting Incident (dem auslösenden Moment)
  • Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die passende Einstiegskrise für dein Buch zu finden

Was hältst du von der Einstiegskrise? Hast du sie vielleicht selbst schonmal benutzt, ohne dir dessen bewusst zu sein?

Wenn dir der Beitrag gefallen hat, hinterlasse mir gern einen kurzen Kommentar oder teile ihn in den Sozialen Medien.

Liebe Grüße, Anna

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