Klischées in Büchern
Klischèes in Büchern

Klischées in Büchern

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Was ist ein Klischée?

Fragt man Wikipedia nach Klischées, erhält man folgende Antwort:

Ein Klischee ist eine ehemals innovative Vorstellung, Redensart, ein Kunstwerk oder ein Stilmittel, die mittlerweile veraltet, abgenutzt oder überbeansprucht erscheint. Das Klischee existiert als etwas geistig oder sprachlich Schablonenhaftes.

Wikipedia

Kurzgesagt: Es ist etwas, das mal schön war, jedoch nach zu häufiger Nutzung nicht mehr schön ist. Zu oft gehört, zu oft gesehen… Egal, wie gut, clever, elegant oder innovativ eine Sache auch ist: Hat man zu viel davon, verliert es seinen Reiz.

Wie entstehen Klischées?

Diese Frage wird eigentlich schon durch die Definition beantwortet. Dennoch will ich einmal genauer darauf eingehen, besonders im Bezug auf die Buchwelt.

Als Twilight erschien, wurde es gehyped. Plötzlich waren alle Fans von Vampiren, Werwölfen und Co. Wesen, die zuvor fast nur in Schauergeschichten aufgetaucht sind, fanden sich plötzlich in einer Romanze wieder.

Ein völlig neues Konzept.

Danach tauchten plötzlich überall Geschichten auf, die die Liebe zu einem übernatürlichen Wesen thematisierten. Und „17-Jährige verliebt sich in 100-jährigen Halb-Toten“ wurde erst zum Trend — und dann Klischée.

Ein paar gängige Klischées nach Genre

Jedes Genre hat seine eigenen Klischées, das lässt sich nicht vermeiden. Hier sind ein paar der Bekanntesten (Vielleicht fallen dir ja noch mehr ein als mir):

Romance:

  • Verbotene Liebe
  • from enemies to lovers (Vom Feind zum Liebhaber)
  • Love-Triangle
  • Das hässliche Entlein und der Schwan
  • nettes Mädchen verliebt sich in skrupellosen Badboy/Boss/Mafiaboss/Gangster

SciFi:

  • Raumschiffe
  • Aliens und neue Planeten
  • Technik, die diverse Varianten von Laserwaffen, Beamen, Schallgeschwingkeit, etc. beinhaltet
  • intergalaktische Kriege
  • Die Rettung des Universums

Fantasy:

  • nichtmenschliche Rassen wie Orks, Feen, Elfen, Vampire, Riesen, Drachen, etc…
  • tatsächliche Götter, der Mächte verleihen und getötet werden können
  • mittelalterliches Setting oder zumindest Monarchie als verwiegendes Herrschaftsmodell
  • der Protagonist ist der Auserwählte oder das heimliche/verlorene Kind des Monarchen

Thriller/Krimi:

  • der miespetrige Kommissar mit der dramatischen Vorgeschichte und gescheiterten Ehe
  • im entscheidenen Moment kann eine wichtige Nachricht nicht übermittelt werden/geht verloren
  • der einzige Zeuge ist ein Betrunkener und/oder Junkie und/oder Obdachloser
  • 100 Leute schießen auf den Protagonisten, doch keiner trifft
  • Der Protagonist schießt und trifft gleich beim ersten Mal
  • Der Bösewicht hat entweder eine ganz traumatische Vergeschichte oder ist ein hochfunktioneller Psychopath vom Feinsten

Warum du Klischées vermeiden solltest

Sie sind überall. Sie sind tausendfach angewendet worden. Die Leute haben genug davon gehört und gesehen. Was willst du ihnen also noch Neues erzählen?

Klischées können viele Formen annehmen. Manchmal sind die Charaktere Klischées, manchmal sind es die Gegenstände oder Ereignisse in der Story. Beides kann fatal sein.

Haben deine Charaktere viele klischéehafte Eigenschaften (in allem gut, sehen super aus, schusselig, aber dennoch der Retter der Welt), dann erschafft das Distanz zwischen der Figur und dem Leser. Man kann sich schlechter in die Figur hineinversetzen, man sieht sie mehr als Ding statt als Menschen.

Sind die Ereignisse in deiner Story mit Klischées gespickt (der Held kriegt das Mädchen, eine wichtige Nachricht geht im ungünstigsten Moment verloren, keine Kugel trifft den Helden), dann wird die Story zu vorhersehbar. Im schlimmsten Fall kann der Leser bereits nach wenigen Seiten erahnen, wohin die Geschichte ihn führen wird.

Die Gefahr von Klischées liegt also darin, dass sie die Geschichte langweilig und vorhersehbar machen. Sie machen dein Buch zu einer Kopie von all den anderen Werken, die schon vorher da waren — ob du das nun beabsichtigt hast, oder nicht.

(Darum lohnt es sich immer, die gängigsten Konventionen des Genre zu kennen, in dem man Schreiben will. Lies also ein paar Bücher, die deinen ähnlich sind und mach dich vorher im Internet schlau, um herauszufinden, was welche Klischées gängig sind. Und welche du daher vermeiden solltest.)

Warum Klischées auch nützlich sein können

Nicht alles an Klischées ist schlecht. Ein paar Ausgewählte können dazu beitragen, das Verständnis für dein Werk zu erhöhen und deinem Leser genau das zu bieten, was er sucht und will.

Beispiel Fantasy und SciFi: Autoren greifen immer wieder auf bestimmte Rassenmerkmalen von Fantasykreaturen zurück, nutzen häufig ähnliche Technik in Science Fiction, um dem Leser etwas zu geben, das er bereits kennt.

Stell dir vor, wie anstrengende es wäre, den Aufbau eines ganz neuartigen Raumschiffes zu beschreiben, inklusive all der technischen Details, spezieller Funktionsweisen und Innovationen. Und zwa jedes Mal, wenn ein Raumschiff eine neue Technik oder Waffe benutzt. Für jedes Raumschiff. Man hätte seitenlange Erklärungen, für die sich nur die Hälfte der Leserschaft interessiert und die nur ein Viertel versteht.

Viel einfacher ist es zu sagen: Sie nutzten Laserpistolen und Schallgeschwindigkeit. Damit weiß jeder etwas anzufangen.

Tipps zum Umgang mit Klischées

Klischées gezielt brechen oder abwandeln

Statt der typischen Mary Sue (nettes Mädchen ohne Makel) zeigst du ein Mädchen, dass nicht perfekt ist. Eine hübsche, doch schüchterne junge Frau, die sich schwer damit tut Freunde zu finden. Die schwankend ihren Weg geht, doch nicht aufgibt. Die am Ende kein Make-over braucht, um ihren Wert zu erkennen und auch nicht das beliebteste Mädchen an der Schule werden muss, um erfolgreich zu sein.

Such dir ein Klischée und nimm es auseinander. Erfinde es neu. Ändere es.

Erwartungshaltung nutzen

Du kannst Klischées nutzen, um im Leser eine gewisse Erwartungshaltung zu erzeugen. Um ihn glauben zu lassen, er wüsste, was passieren wird und wie die Geschichte sich entwickelt.

Doch dann: Plottwist. Es ist doch nicht alles so, wie es scheint.

Fazit

Klischées gibt es überall. Man kann sie nicht umgehen. Sie sind nicht immer schön, elegant oder hilfreich, doch man kann sie sich zunutze machen — mit ein wenig Kreativität und dem Wille, außerhalb der Box zu denken.

Welches Klischée hast du am liebsten und welches kannst du gar nicht ab? Fallen dir noch mehr ein, die ich oben nicht genannt habe? Schreib es mir in die Kommentare, ich freue mich über jeden davon.

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