Details im Buch – welche schreiben, welche streichen?

Details im Buch – welche schreiben, welche streichen?

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In jeder Geschichte gibt es unzählige (Arten von) Details.

Details machen deine Geschichte bunter, lassen sie überhaupt erst lebendig werden.

Stell dir ein Buch ohne sie vor. Ein undefinierter Charakter durchläuft eine Reihe von Events an einem Ort, den man sich nur als graue Landschaft vorstellen kann.

Zu wenige Details lassen dein Buch also trist und unwirklich erscheinen.

Hast du jedoch zu viel. kann es auch schnell undurchsichtig werden und deinen Leser überfordern.

Es gilt das perfekte Mittelmaß zu finden.

Doch das ist leicht gesagt…

Was du streichen solltest…

Ich spreche hier bewusst vom Streichen und nicht vom Vermeiden. Denn während du dein Buch im ersten Entwurf verfasst, solltest du noch nicht darauf achten, welche Details zu viel oder zu wenig sein könnten.

Das wird erst während der Überarbeitungsphase relevant.

Wenn du also gerade noch am ersten Entwurf deines Manuskripts arbeitest, geh zurück an deinen Laptop. Du kannst wiederkommen, wenn er fertig ist.

Unnötige Details

Er hatte es sehr eilig. Schnell ging er zur Tür und rannte hinaus.

Das ließt sich nicht flüssig. Warum? Weil da zu viele unnötige Details drin sind.

Die Tür zum Beispiel. So eine hat jeder Raum. Muss man nicht erwähnen. Sie würde erst relevant werden, wenn sie verschlossen wäre, also ein Hindernis darstellen würde.

Das tut sie in diesem Fall jedoch nicht.

Ein weiteres unnötiges Detail ist seine Eile. Dreimal wird darauf hingewiesen, dass er schnell von A nach B muss. Einmal reicht.

Besser wäre die Zeile folgendermaßen:

Eilig verließ er den Raum.

Unnötige Details zu kürzen kann man lernen. Es ist auch sehr nützlich, wenn du dazu neigst, lange Erklärungen zu schreiben.

Vorgehen bei unnötigen Details: Stell dir vor, jedes Wort würde dich 50 Cent kosten. Automatisch stellst du dir nun bei jedem Wort die Frage: „Ist das wirklich nötig? Brauche ich das?“

Lautet die Antwort „Nein“ oder „Naja, vielleicht…“, dann streiche es. Oder fasse den Satz/Paragraphen so gut es geht zusammen.

Sich wiederholende und verwandte Details

Wenn du innerhalb eines Kapitels dreimal den goldenen Schimmer ihrer Haare beschreibst, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass du dich wiederholst.

Das kommt natürlich alles auch auf den Kontext an (Ist dein Protagonist z.B. ein liebestrunkener Teenager, der in diesen Kapitel seinen Schwarm anschmachtet, dann mag das vielleicht noch vertretbar sein).

Generell solltest du jedoch darauf achten, dich nicht zu oft zu wiederholen, gerade was Beschreibungen von Personen oder Orten angeht. Pro Buch solltest du einen Charakter oder Ort nur einmal komplett beschreiben – und das möglichst bunt und einprägsam.

Komplette Figurenbeschreibung:

Lina war ein kleines Mädchen, schmal und unscheinbar. Meist bekam man im Klassenzimmer nicht viel von ihr mit. Nach der Schule jedoch, wenn sie ihren knalllinken Rucksack schulterte und das Gelände verließ, öffnete sie ihre Zöpfe und ließ ihr Haar tanzen.

Feuerrote Locken hüpften dann zum Takt ihrer Schritte. Sie schloss ihre graugrünen Augen und sie lauschte.

Für einem Moment war sie so frei wie die Vögel, in den Bäumen über ihr sangen.

Eine zweite Beschreibung ist im Normalfall dann nicht nötig, außer es ändert sich etwas an diesem Ort oder der Figur (z.B. neue Haarfarbe). Da reicht es dann für gewöhnlich jedoch aus, nur das zu beschreiben, was nun anders ist.

Figuren können auch im Laufe des Buches immer wieder mal beschrieben werden, jedoch nur in Ausschnitten.

Bruchstückhafte Figurenbeschreibung:

Als Lina lächelte, erschienen kleine Grübchen in ihren Wangen.

Mit einem Seufzen strich sie sich eine verirrte, rote Strähne aus der Stirn. Ihre Haare rochen noch immer wie frisch gefärbt.

„Na und?“ Linas Empörung schwang deutlich in ihrer zarten Stimme mit. Das klang so niedlich, dass ich mir ein Lächeln nicht verkneifen konnte.

Tipp: Eine bruchstückhafte Figurenbeschreibung ist eine tolle Alternative zu einer Kompletten Beschreibung. So lernt der Leser eine Figur langsam kennen, erfährt stetig neue Details, ohne dabei von zu vielen Informationen überrollt zu werden.

Sollte also eine komplette Figurenbeschreibung mal keinen Platz in den ersten paar Kapiteln deines Buches finden, lass sie gerne weg. Solange du die Figur im Bruchstücken beschreibst, wird keiner sie vermissen.

Details, die der Erzähler nicht kennen kann

Das ist mehr eine Logik- als Stilfrage.

Mein Lieblingsbeispiel: Der erzählende POV-Charakter steht 10 Meter von einer neuen Figur entfernt und beginnt sie zu beschreiben. Was fällt ihm als Erstes auf? Natürlich das strahlende Blau ihrer Augen.

Mal ganz ehrlich… Wann hast du das letzte Mal jemandes Augenfarbe aus der Ferne erkennen können?

Doch es gibt noch weitere Beispiele für Details, die der Erzähler nicht kennen kann.

Die Gefühlslage anderer Personen.

Ihre Intentionen.

Ihre Vergangenheit und übliche Verhaltensmuster (außer der erzählende Charakter war Teil dieser Vergangenheit oder kennt die Figur schon länger).

Hinweis: Eine Ausnahme bildet natürlich der allwissende Erzähler. Da der jedoch relativ selten benutzt wird, gehe ich mal davon aus, dass dein Erzähler nicht allwissend ist.

Was du integrieren sollest

Zum Teil haben wir die oben ja schon angesprochen, doch er Vollständigkeit zuliebe hier noch mal eine kleine Zusammenfassung.

  • Beschreibungen, die Personen lebendig werden lassen
  • Beschreibungen, die Orte lebendig werden lassen
  • Szenen, die deiner Geschichte Raum zum Entfalten bieten

Diese Dinge können gern ineinander übergehen, besonders im Bezug auf den letzten Punkt.

Szenen, die deiner Geschichte Raum bieten, sind sozusagen Plotdetails. Sie geben dir als Autor die Möglichkeit, deinen Figuren Platz zum Atmen zu schaffen.

Was ist damit gemeint?

Ein Buch braucht auch ruhigere Momente. Sie sind perfekt, um einen Einblick in die Psyche deines Protagonisten zu bieten.

Beispiel: Nach einem schwerwiegenden Ereignis wird dein Prota wahrscheinlich erstmal eine Pause brauchen. Vielleicht schließt er sich dafür für 5 Minuten im Bad ein, macht einen Spaziergang oder klettert auf ein Dach und schaut in die Sterne.

Worüber denkt er dann nach? Das einschneidende Ereignis? Wie reagiert er? Wütend, traurig, erschöpft?

Dieses Plotdetail ist nicht notwendig für die Story.

Doch es macht deinen Protagonisten nahbar, lebendig. Es gibt dir zudem die Möglichkeit, auch mal andere Aspekte seiner zu beleuchten. Deine Geschichte gewinnt dadurch an neuen Facetten, die unheimlich faszinierend und auf ganz andere Art spannend sein können.

Solle deine Story sich an irgendeiner Stelle platt anfühlen, braucht sie vielleicht genau so einen Moment, der ihr Tiefe verleiht.

In meinen Augen, ein sehr schönes Werkzeug 😉

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