Plotten wie Brandon Sanderson

Plotten wie Brandon Sanderson

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Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein großer Fan von Fantasy-Büchern bin. Und Brandon Sanderson ist einer der großen Fantasy-Autoren unserer Zeit. Zugegeben, ich bin ein kleiner Fan (auch wenn ich sonst kein Fangirl bin, mache ich hier mal eine kleine Ausnahme 😉 )

Ich liebe Sandersons Bücher – allen voran seine Sturmlicht Archive – und über die letzten Jahre, ist er sozusagen mein Vorbild geworden, was das Schreiben angeht.

Warum? Seine Bücher sind vielschichtig, tiefgründig.

Sie haben alles, was man sich als Leser wünschen kann: Eine spannende, neue Welt, einen mitreißenden Plot und liebenswerte Charaktere, die zwar Helden sind, aber dennoch mit Depressionen, Identitätsstörungen und Misstrauen zu kämpfen haben.

All das verbindet er auf meisterhafte Art miteinander, wie ein Webmeister (du weißt schon, die Typen, die Stoffe weben? Hat nichts mit dem WWW zu tun), der feinste Seide spinnt.

Und endlich verstehe ich, wie er das durch Vorarbeit erreichen konnte.

Wer ist Brandon Sanderson?

Brandon Sanderson ist ein amerikanischer Fantasy- und SciFi-Autor. 2005 startete er mit seinem Debüt Elantris in Amerika durch. Seitdem folgten mehrere Werke, unter Anderem, die Mistborn-Trilogie und die ersten 3 Bücher (der vierte Teil erscheint Mitte November 2020!!) der 10-teiligen Sturmlicht-Archive-Reihe.

Er ist bekannt für ungewöhnliche Magiesysteme und ausgefeilten Weltenbau.

Jedes Jahr hält er am BYU einen Kurs zum kreativen Schreiben und veröffentlicht diese auf YouTube. Dort teil er Einsichten über seinen Schreibprozess und seine Methoden.

(Sehr informativ, doch ausschließlich auf englisch. Wer sich Sandersons Videos ansehen will, sollte zudem einiges an Zeit mitbringen – gerade seine Seminare dauern je eine Stunde oder mehr.)

So bin ich auch auf dieses Video gestoßen, in dem Sanderson unter anderem seine Methode zum Plotten erklärt. (Das Video ist aus seinen Lektionen von 2020. Da die Lektionen des Vorjahres bisher immer gelöscht wurden, kann es sein, dass du das Video nach Frühjahr 2021 nicht mehr ansehen kannst.)

Für diejenigen, die keine Lust haben, sich ein einstündiges Video anzusehen, hier folgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte und Strategien.

(Mehr über Brandon Sanderson findest du auf seiner Webseite (brandonsanderson.com) oder auf seinem YouTube-Kanal.)

Drei Teile und in einem Word-Dokument

Für Sanderson besteht ein gutes Werk aus drei Teilen: Charaktere, Setting und natürlich Plot.

Zum Plotten legt Sanderson ein Word-Dokument an (Diese Methode funktioniert natürlich auch in anderen Schreibprogrammen und in Autorensoftware wie z.B. Scrivener) und unterteilt es in die drei Teile.

Jede Kategorie wird vorerst separat geplant und erbaut. Erst, wenn jedes Teil für sich eine zufriedenstellende, ganze Geschichte ergibt, werden sie miteinander verwoben.

Damit legt er im Grunde eine umfangreiche Buchbibel für jedes Werk an, ergänzt durch die Kategorie des Plots.

Tipp: Markiere jede Überschrift auch als solche. Du findest das bei Word unter Formatvorlagen. Mithilfe dieser Überschriften kannst du dann ein Inhaltsverzeichnis anlegen (findest du unter Referenzen), wodurch du mit nur einem Klick von Kategorie zu Kategorie springen kannst, ohne ewiges Scrollen und Suchen. Funktioniert übrigens auch mit Unterüberschriften.

Charaktere

Hier entsteht ein Verzeichnis über alle Charaktere, die in deinem Buch auftauchen sollen. Sortiere es am Besten nach Haupt- und Nebenfiguren.

Während die Nebenfiguren nur eine allgemeine Beschreibung erhalten, solltest du bei deinen Protagonisten mehr in die Tiefe gehen.

Den Protagonisten „plotten“

Neben den allgemeinen Daten (Alter, Aussehen, beruf etc.) erhält dein Prota außerdem eine ausführliche Beschreibung seiner Lernkurve und Charakter-Arc.

Stelle dir dazu beispielsweise folgende Fragen:

  • Was will mein Prota zu Beginn des Buches (Want)?
  • Warum ist dieses Want nicht das, was er braucht? Was braucht er/sie stattdessen? (Need)
  • Wie lautet die Lüge, an die er/sie irrtümlicherweise glaubt? (Meist durch Generalisierung bestimmter Gruppen, erlangt durch schlechte Erfahrungen mit dieser Gruppe. z.B: Alle Reichen sind böse. Alle Hutträger sind dumm.)
  • Wie kann er/sie diesen Irrtum überwinden?
  • Was hält deinen Prota davon ab, sein vollestes Potential auszuschöpfen?

Beschreibe, wo dein Protagonist beginnt und welche Lektion er im Laufe des Buches lernen muss. Welche Hindernisse muss er dafür überwinden?

Jeder Protagonist hat seine eigene Geschichte. Beschreibe sie möglichst ausführlich und sorge dafür, dass sie auch ein zufriedenstellendes Ende bekommt.

Es wäre fatal, eine Character Arc zu beginnen und dann im Laufe des Buches untergehen zu lassen.

Setting

Das Wort „Setting“ schreibt im Grunde den Handlungsort eines Buches und die Stimmung, die dieser erzeugt. Sanderson fast ihn jedoch etwas weiter. Für ihn ist das der Ort, an dem er all sein Worldbuilding betreibt.

Hier kannst du alles unterbringen, was die Welt deines Buches betrifft. Es empfielt sich auch hier mit Unterüberschriften zu arbeiten. Du kannst z.B.: eine Kategorie für Politik, eine für die Flora und Fauna und eine für historische Events und berühmte Persönlichkeiten anlegen.

Eine weitere Unterkategorie sollte die kleineren Orte auflisten und beschreiben. Wenn du vorher beschreibst, wie z.B.: die Wohnung deines Protas aussieht, musst du dir während des Schreibens keine Gedanken mehr darüber machen.

Zudem stellst du so sicher, dass sich keine kleinen Fehler und Ungereimtheiten einschleichen. Wenn du dir über ein Detail unsicher bist, kannst du einfach dein Word-Dokument öffnen und an der richtigen Stelle nachschauen.

Solltest du während des Schreibens neue Details dazu erfinden, stelle sicher, dass du es auch in deinem Dokument hinzufügst.

Plot

Im Plot kommt nun alles zusammen.

Überlege dir, welche Arten von Geschichten du in deinem Buch erzählen willst. Die meisten Fantasy-Bücher haben einen Hauptplot, sowie 2-3 Subplots und Character Arcs.

Mach dir daher zuerst eine Liste der Geschichten. Das könnte zum Beispiel so aussehen:

  • Hauptplot: Sturz des Imperiums
  • Character Arc: Protagonist lernt sich selbst zu akzeptieren und zu lieben
  • Subplot: Romanze
  • Subplot: Protagonist entdeckt seine magischen Kräfte und lernt damit umzugehen

Jeder Punkt sollte für sich selbst eine befriedigende Story erzählen mit Anfang, Mitte, Ende.

Die meisten Geschichten folgen dabei einem gewissen Plot-Muster. Das kannst du für dich nutzen, um die Einzelteile zu plotten.

So sind eine Romanze und der Sturz eines Imperiums zwei komplett unterschiedliche Geschichten, die auch anders aufgebaut werden müssen, wenn sie funktionieren sollen.

Es wurden schon viele Geschichten nach diesen einzelnen Plot-mustern geschrieben. Mit ein bisschen Hilfe von Onkel Google sollte es dir leicht fallen herauszufinden, welche Plotpunkte die einzelen Geschichten brauchen.

Mehrere Plot-Schichten zusammenführen

Hast du alle Character Arcs, Subplots und den Hauptplot ausreichend ausgebaut, ist es Zeit, sie miteinander zu verweben.

Orientiere dich dabei am Hauptplot und überlege dir, wann Aktion X und Y passieren müssen, damit Aktion Z beginnen kann.

Die unterschiedlichen Plots sollten dabei möglichst ausgeglichen sein.

Manche Plotlines sind kürzer, manche länger. Das ist ganz natürlich.

In einer Trilogie ist es üblich, eine Plotline zu haben, die alle drei Werke überspannt und miteinander verbindet, während gleichzeitig jedes Werk für sich einen Hauptplot und Subplots besitzt.

Manche Subplots umspannen nur die Hälfte eines Buches, andere ziehen sich über zwei Teile, aber nicht bis in den Dritten. Oder beginnen erst ab der Hälfte.

Das kann einen manchmal ziemlich verwirren und durcheinander bringen. Daher musste du aufpassen, dich nicht zu verzetteln. Je komplexer dein Werk, desto mehr (Sub)Plots hast du und desto schwieriger wird es, sie alle zu koordinieren.

Fatal wäre es, 10 Plots auf einmal zu beginnen und dann nur drei davon aufzuklären, während der Rest einfach irgendwo untergeht.

Leider ist dieser Prozess sehr individuell und für jede Geschichte anders. Darum ist es schwer, dafür konkrete Tipps zu geben.

Ich kann dir da nur folgendes raten:

  • Behalte immer den roten Faden im Auge (oder Hinterkopf)
  • Beginne nicht zu viele Plots auf einmal (nicht mehr 3-5 „aktive“ Plots auf einmal klingt nach einem guten Mittelwert)
  • Stelle sicher, dass du jeden Plot zufriedenstellend beenden kannst, bzw. bei einer Reihe zum Ende eines Buches an geeigneter Stelle unterbrichst

FAZIT

Ich habe Sandersons Taktik ausprobiert und bin ziemlich angetan davon. Man hat alles beisammen, auch Charaktere und Worldbuilding, was sehr praktisch ist. Man baut sich sozusagen ein eigenes Wikipedia zum Buch.

Gerade wer größere Projekte oder Reihen plant, kann sehr davon profitieren – besonders in den Genre Fantasy und SciFi, was sehr Worldbuilding-intensiv ist.

Ich werde mein Word-Dokument zu der Reihe, die ich gerade plane, auf jeden Fall fortführen. Es ist definitiv ein aufwendiges Vorgehen, aber die Resultate sprechen für sich.

Probier es doch mal aus und lass mich gern in den Kommentaren wissen, wie es für dich gelaufen ist.

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