So erklärst du deine magische Welt

So erklärst du deine magische Welt

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Die neuen Welten, magischen Wesen und unbekannten Technologiensind die Dinge, die das Fantasy und SciFi Genre von allen anderen unterscheidet.

Das ungewöhnliche Setting gibt Autoren ganz andere Möglichkeiten um Geshcichten zu erzählen, während Leser im wahrsten Sinne in fremde Welten abtauchen können.

Diese grenzenlosen Möglichkeiten sind das, was ich an Fantasybüchern am meisten liebe. Und sicher geht es nicht nur mir so.

Doch natürlich hat auch alles seinen Nachteil.

Erschafft man neue Welten, muss man sie dem Leser irgendwie begreiflich machen – und das auf eine möglichst spannende und anschauliche Art. Keiner (oder zumindest nur sehr wenige) liest gern seitenlange Wikipedia-Einträge voll Landschaftsbeschreibungen und Pflanzenkunde.

Wie also schaffst du es, dem Leser all die Informationen zu vermitteln, die du dir zuvor in Monaten des Weltenbauens so mühsam erdacht und zusammengepuzzelt hast?

Wie man es nicht macht

Bevor du erfährst, wie man es richtig macht, solltest du erstmal erfahren, welche Fehler du beim Beschreiben deiner Welt vermeiden solltest.

Infodumps

Infodumps sind diese gefürchteten, langen Passagen, in denen einfach nur eine große Menge an Informationen auf dem Leser abgeladen (engl. dumped, daher der Name) werden.

Meist geht dabei jegliche Spannung flöten, das Pacing wird schleppend und der Leser verliert irgendwann das Interesse – besonders dann, wenn die gelieferten Informationen noch in keinerlei Verbindung mit dem derzeitigen Plot stehen.

Ein bis zwei Absätze voll themenrelevanter Erklärungen sind okay. Sobald du jedoch bemerkst, dass es ausartet, versuche einen anderen Weg zu finden, diese Informationen zu übermitteln.

Wie du Infodumps vermeidest, erfährst du in diesem Artikel noch mal ausführlicher.

Hinweis: Im ersten Entwurf brauchst du dir noch nicht so viele Sorgen über Infodumps machen. Du wirst sicher welche einbauen, ganz einfach weil der erste Entwurf dazu dient, dir selbst die Geschichte zu erzählen. Infodumps ausmerzen kannst du dann in den Überarbeitungen auszumerzen versuchen.

Maid-Butler-Dialoge

„Oh, der Hausherr ist dieses Wochenende verreist. Du weißt, was das bedeutet, nicht wahr?“, fragte das Hausmädchen.

„Ja, er besucht seine frisch verheiratete Tochter auf dem Lande. Nun haben wir niemanden zu bedienen und können selbst mal etwas Freizeit genießen, wie du weißt„, sagte der Butler.

„Oh, ja. Wie du weißt, habe ich Familie. Ich werde sie auch besuchen gehen.“

Der Butler nickt. „Ich hab dir ja von meinem Cousin erzählt. Ich werde ihm bei seiner Hochzeit helfen.“

„Oh, du weißt, wie sehr ich solche Dinge liebe!“

„Ja, und du weißt, wie sehr ich …“

Ein Maid-Butler-Dialog war früher ein beliebtes Mittel im Theater, um dem Publikum mithilfe zweier Nebencharaktere (Meist das Hausmädchen und der Bulter, darum der Name) die Ausgangssituation der Geschichte zu erklären.

Beide kannten die Situation und hatten eigentlich keinen Grund, sich all das gegenseitig noch mal zu erklären.

Letztlich handelt es sich dabei um nichts anderes als einen Infodump in Dialogform.

Schlechtes Timing

Gerade Anfänger machen gern mal den Fehler, die Story zu starten und dann in einem Kapitel die gesamte Welt und alles, was irgendwann mal relevant werden wird, erklären zu wollen.

So entstehen Infodumps nämlich erst.

Das Problem dabei ist, dass all das noch nicht sofort relevant ist.

Gerade am Anfang muss der Leser sich erstmal in die grundlegendsten Regeln deiner Welt eindenken, bevor er die komplexeren System verarbeiten und die Hintergründe für all das verstehen kann.

Der Gedanke, dass der Leser erst die komplette Welt kennen muss, bevor er in die Geschichte starten kann, ist ein Irrglaube.

Der Leser muss sanft in deine Welt gelockt werden. Erschlägst du ihn gleich im ersten Kapitel mit einer Enzyklopedie über deine Welt, könnte ihn das vielleicht verschrecken – aber nur vielleicht 😉

So machst du es besser

Was nun folgt, ist eine Liste von Tipps, die dir helfen sollen, die oben genannten Probleme zu umgehen.

Viele davon benutze ich selbst, doch beachte, dass nicht immer alles auf jedes Buch anwendbar ist.

Du musst auch nicht alles davon umsetzen. Meist reicht es, wenn man sich die Prinzipien heraussucht, die einem am besten gefallen und gelingen, und sich daran hält.

1) Umstände zeigen, statt sie zu erklären

Es ist einfach zu sagen, dass die Bevölkerung einer bestimmten Stadt in Armut lebt.

Doch dieses Konzept ist zu abstrakt, um vom Leser wirklich verinnerlich zu werden. Was bedeutet Armut in deinem Land? Leben wirklich alle in armen Verhältnissen ? Wer sind die Aussnahmen?

Stelle dir solche Fragen und beantworte sie, indem du darüber eine Szene schreibst. Zwei bis drei Sätze genügen nicht. Lasse eine Figur die Armut erleben.

Zeige den Alltag einer Figur, die in Armut aufgewachsen ist. Zeige die verfallenen Gebäude, den Müll auf den Straßen, die hungernden Straßenkinder und streunenden Hunde.

Wähle die kleinstmögliche Instanz

Gerade ein großes Thema wie Armut ist schwer zu begreifen.

Darum mach es so klein und persönlich wie nur irgend möglich. Lass es den Bruchteil einer Geschichte erzählen.

Statt zu sagen: Das Viertel war arm.

Beschreibe:

Da saß ein kleiner Junge am Straßenrand, der kleine Bauch gebläht vor Hunger. Seine nackten Ärmchen schienen so dünn wie der Stock, mit dem er in der Pfütze rührte.

Das Wasser war zu schmuzig zum Trinken. Doch der Tag war heiß und neigte sich dem Ende zu und dem Jungen war es bisher nicht gelungen, auch nur eine Münze von der Straße zu klauben.

Es ist nicht viel, doch diese zwei Absätze genügen, um dem Leser den Ernst der Lage begreiflich zu machen. Sie fühlen mit dem Jungen und erkennen, dass er sterben wird, wenn nicht bald ein Wunder geschieht.

2) Die Informationen über deine magische Welt sollten plotrelevant sein

Dieser Punkt spielt wieder in die Frage nach dem richtigen Timing hinein. Wenn du nicht alles zu Anfang erklären sollst, wann solltest du es dann tun?

Ganz einfach: Wenn sie relevant werden.

Gehen wir davon aus, die schreibst über Rebellion. Auch wenn es in dem Fall wichtig ist, das politische Konzept des Staates zu verstehen, der bezwungen werden soll, muss es nicht das erste sein, was der Leser über diene Welt erfährt.

Wirklich relevant wird es nämlich erst, wenn es tatsächlich darum geht, die Rebellion auszuführen.

Im ersten Akt muss zunächst deutlich werden, warum dein Protagonist rebellieren will, was ihn antreibt. An dieser Stelle kannst du die armen Verhältnisse beschreiben, in denen er lebt.

Im zweiten Akt, wenn es dann tatsächlich ans Eingemachte geht, kannst du beginnen, den Leser an die komplexeren, politischen Themen heranzuführen.

3) Füttere Informationen häppchenweise

Du musst dabei keine kompletten Politiksysteme in einem Rutsch erklären. Meist reicht es aus, zu Beginn nur die groben Bestandteile zu nennen, z.B.: dass die Regierung aus drei Teilen besteht, einem Gericht, einem Regierungsrat und einer Exekutivgewalt.

Später kannst du dann erklären, wie diese Teile jeweils aufgebaut sind – eines nach dem anderen.

Noch später kannst du dann wiederum darauf eingehen, in welcher Beziehung die drei Apparate zueinander stehen oder wer innerhalb des Gerichts/Rates/der Exekutivgewalt die meiste Macht ausübt. Und warum.

Alles Stück für Stück. Häppchenweise.

Das ist eine meiner Lieblingstaktiken, um Infodumps zu vermeiden, da sie so simpel und universell einsetzbar ist.

4) Mut zur Lücke

Der Leser muss deine Welt nicht zu 100% nachvollziehen können. Er versteht, dass eine ganze Welt zu komplex ist, um sie in ein einziges Buch zu packen.

Schon für unsere Welt allein gibt es hunderte – ach was, Tausende! – Bücher, die versuchen, die Natur, die Gesellschaft, die Meere, Politik, Geschichte, das Weltall,… zu erklären. Und trotzdem wissen wir noch immer nicht alles über sie.

Oder könntest du mir aus dem Stehgreif innerhalb von fünf Minuten die gesamte Französische Revolution erklären? Selbst wenn du die Geschichte dieser Zeit studiert hast, müsstest du in deiner Erklärung Abstriche machen, um die Zeitvorgabe einzuhalten.

Und auch dann noch könntest du mir nicht 100% versichern, dass all das wahr ist. Schließlich hat keiner von uns zu dieser Zeit gelebt und man muss immer davon ausgehen, dass einige Fakten falsch überliefert oder gedeutet wurden.

Wir sind Menschen, keine Lexikone. Wir irren uns. Wir wissen nicht alles. Das gilt auch für die Figuren in unseren Büchern.

Diese Lücken kann man jedoch für sich nutzen, wenn man beispielsweise in späteren Teilen noch neue Dinge hinzufügen möchte, ohne dem zuvor etablierten Worldbuilding zu widersprechen.

So hältst du deine Geschichte lebendig und interessant.

5) Finde kleine Momente für kurze Beschreibungen

Ganz im Sinne des dritten Tipps, soll dir dieser Tipp dabei helfen, Situationen zu erschaffen, in denen du deinen Lesern Informationshäppchen füttern kannst.

Eine beliebte Methode ist es, die Welt zu beschreiben, während eine Figur sich darin bewegt. Ist sie beispielsweise auf dem Weg, um sich mit jemandem zu treffen oder etwas zu erledigen, kann es sich lohnen, die Figur ein Stück zu begleiten.

Die Betonung liegt hierbei auf ein Stück.

Die Beschreibung sollte 1-2 Buchseiten nicht überschreiten, sonst läufst du wieder Gefahr, wie ein Wikipedia-Eintrag zu klingen.

Eine weitere Möglichkeit sind Reflexionen über Events. Hat dein Protagonist gerade ein einschneidendes Erlebnis hinter sich, wird er vermutlich noch eine Weile darüber nachdenken.

In diesen Gedankenprozess kannst du nun wunderbar essentielle Hintergrundinformationen zu komplexeren Themen (wie z.B.: Politik, magische Wesen, gesell. Normen und Gesetze) einfließen lassen.

6) Spannende Redewendungen integrieren

Redewendungen reflektieren die Kultur, Glaubenssätze und das Gedankengut einer Gesellschaft. Oft verwendete Metaphern spiegeln das wider, womit die Menschen einer Gesellschft oft in Berührung kommen.

Ein Beispiel:

Es gibt zahlreiche Redewendungen, die die Hölle und den Teufel erwähnen („Was zur Hölle?“, „höllisch heiß“, „teuflisch“, „Die Hölle gefriert, bevor ich XY“), können nur in Regionen existieren, in denen das Konzept der Hölle bekannt ist.

Lebt eine Gesllschaft relativ isoliert (z.B. Bergvölker), wird sie Merkmale anderer Regionen (z.B. Wüsten oder Regenwälder) nicht kennen und entsprechende Redewendungen nicht benutzen. Stattdessen werden ihre Metaphern die Gegenstände integrieren, mit denen sie vertraut sind (z.B. Steine, Felsen, Schnee).

Zugegeben, diese Methode Redewendungen zu benutzen ist recht umständlich und bringt nicht so großen Erfolg wie die obenstehenden Tipps, weil man hierbei auch nicht zu dick auftragen sollte.

Doch ich finde es eine interessante Möglichkeit, die deiner Welt einen ganz eigenen Charakter verleiht und sehr viel über die Mentalität eines Volkes als Ganzes aussagt.

Außerdem kann man mit diesen eigenen Redewendungen diejenigen ersetzen, die sich aus unserer Welt mit eingeschlichen haben, deren Benutzung in deiner Welt jedoch keinen Sinn machen würde.

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