So funktionieren Character Arcs

So funktionieren Character Arcs

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In den meisten Romanen – und ich sage bewusst „in den meisten“ – verändern sich die Figuren im Lauf der Geschichte. Sie wachsen mit ihren Aufgaben und überwinden ihre Ängste.

Während das hauptsächlich für die Protagonisten und Antagonisten gilt, können auch Nebencharaktere eine eigene, meist kleinere Arc besitzen.

Was ist eine Character Arc?

Im Grunde genommen ist eine Character Arc der interne Konflikt einer Figur und wie er überwunden wird.

Zu Beginn ist die Figur von einer Angst geprägt (meist unterbewusst), die ihr Leben und ihre Entscheidungen beeinflusst. Um die speziellen Herausforderungen des Plots bewältigen zu können, muss deine Figur genau diese Ängste konfrontieren und letzten Endes natürlich auch überwinden.

Die Character Arc entwickelt sich dabei parallel zum Plot und komplettiert ihn.

Idealerweise sind die Herausforderungen des Plots (des erxternen Konflikts) auf die der Character Arc (des Internen Konflikts) angepasst. Sodass das, was passiert, für deinen Protagonisten von ganz besonderer Bedeutung ist.

Wie sieht eine Charcter Arc aus?

Es gibt 3 Arten von Character Arcs: Die Klassische, die Reverse Charcter Arc und die Arc der tragischen Figur.

Die Arc orientiert sich grob an der 3-Akt-Struktur, was es einfach macht, sie an die Bedürfnisse und Gegebenheiten deines Plots anzupassen.

Alle drei Arten sind deshalb grundsätzlich ähnlich aufgebaut. Nur am Ende wird zwischen den dreien differenziert.

Die klassische Character Arc

In der klassischen Arc überkommt der Protagonist schrittweise seine Angst. Am Ende geht er gestärkt und als besserer Mensch aus dem Konflikt hervor.

  1. Die größte Angst deines Protagonisten wird etabliert. Wie lautet die Lüge, die er sich selbst erzählt – sein Misbelief?
  2. Inciting Incident: Prota wird vor eine Herausforderung gestellt, die diese Lüge konfrontiert -> Chara entscheidet sich für den Weg, der die geringsten Schmerzen verursacht.
  3. Er entwirft einen Plan, wie er sein Ziel erreichen kann, ohne sich dabei seiner Angst stellen/seine Komfortzone verlassen zu müssen.
  4. Diese Vermeidungsstrategie treibt ihn immer tiefer in seinen Schlamassel.
  5. Der Midpoint bringt ihn an einen Punkt, an dem er erkennt, dass er sich seiner größten Angst stellen muss, wenn er sein Ziel erreichen will.
  6. Er passt seinen Plan an diese Erkenntnis an.
  7. … und scheitert. Ein Sieg scheint unmöglich. Prota ist an seinem Tiefpunkt angelangt.
  8. Aha-Moment -> Prota überkommt seine größte Angst, erkennt seinen Irrglauben als solchen an.
  9. Dank dieses Aha-Moments hat der Prota nun alle Mittel zusammen, die er braucht, um sich der finalen Hürde, dem folgenden Klimax zu stellen.

Die Reverse Character Arc

Die Reverse Arc – die umgedrehte Arc – ist genau gleich aufgebaut wie die klassische Arc.

Der Unterschied besteht darin, dass der Charakter als guter Mensch startet und die Geschehnisse der Geschichte ihn jedoch zu einem Irrglauben leiten, sodass er am Ende ein schlechterer Mensch ist als zuvor.

Statt seinen Irrglauben als solchen zu erkennen, fühlt er sich mit dem Fortschreiten der Handlung in dieser Annahme bestärkt und handelt danach. Das führt ihn zu zunehmend schlechten Taten, die auf diesem Irrglauben und seiner Angst basieren.

Während des Aha-Moments manifestiert sich schließlich dieser Irrglauben, bis die Figur sie als einzige Wahrheit anerkennt. Damit kann er ebenfalls den externen Konflikt lösen, also siegreich aus dem Klimax hervorgehen, jedoch sind die Kosten für diesen Sieg so hoch, dass die Figur damit niemals glücklich werden könnte.

Diese Arc wird genutzt, wenn man beschreiben will, wie ein Bösewicht zum Bösewicht werden konnte.

Arc der tragischen Figur

Diese Arc ist eine Art verkürzte Arc, denn ihr fehlt der Aha-Moment. Die tragische Figur verweilt an ihrem Tiefpunkt, entweder aus Selbstmitleid (glaubt nicht daran, dass es jemals besser werden könnte) oder Schwäche (fühlt sich nicht länger in der Lage dazu, weiterzukämpfen).

Die Figur schafft es nicht, sich selbst aus diesem Loch zu befreien und versinkt darin. Wenn die letzte Hürde des externen Konfliktes dann unmittelbar bevor steht, kann sich die tragische Figur ihr nicht stellen, bzw. scheitert bei dem Versuch.

Das Ende ist dann ebenfalls entsprechend tragisch.

Meist wird diese Arc nicht bei Protagonisten verwendet, sondern eher bei Nebenfiguren mit einem ähnlichen Problem. Diese sollen dann exemplarisch verdeutlichen, was aus dem Prota hätte werden können, wenn er seinen Irrglauben nicht als solchen erkannt hätte bzw. sich seiner Angst nicht gestellt hätte.

Warum sind Character Arcs so wichtig?

Empathie: Wenn wir ein Buch lesen, fiebern wir mit den Charakteren mit. Wir fühlen, was sie fühlen und fürchten um ihr Wohlergehen. Wir fragen uns, ob sie alle Hürden überwinden können.

Charaktere sind die Essenz der Story. Weil sie fühlen, fühlen wir.

Als Autor sollte es immer dein höchstes Ziel sein, deine Leser fühlen zu lassen. Ihnen zu zeigen, warum deine Geschichte wichtig ist. Und das schaffst du am besten mit gut durchdachten Character Arcs.

Sie können den Plot ersetzen: Ein Buch ohne externen Konflikt kann ein sehr gutes Buch werden, aber ein Buch ohne internen Konflikt ist meisten nur… meh.

Da passiert dann allerhand, aber es gibt für uns keinen Grund, all die Action spannend zu finden. Denn so schön 10 explodierende Autos auch sind, sie lösen in uns keine Gefühle aus, wenn da niemand drin sitzt, mit dem wir mitfühlen könnten.

Viele Romanzen und auch YAs sind Charakterfokussiert. Rundherum passiert wenig, was nicht direkt von den handelnden Figuren ausgelöst wird.

Anwendung

Bevor die dein Buch plottest, solltest du dir über die Ängste und Irrglauben deiner wichtigsten Figuren Gedanken machen.

Zu diesen wichtigsten Figuren zählt auf alle Fälle dein Protagonist, sowie der Antagonist, wenn du einen hast (dafür ist eine Reverse Arc ideal).

Hast du mehrere Protagonisten, musst du überlegen, wie viele von ihnen eine eigene Arc erhalten. Da dies meist in Mehrteilern der Fall ist, kann es einer Überlegung wert sein, in jedem Buch nur 2-3 Character Arc einzubauen und weitere für folgende Bücher aufzusparen. So vermeidest du, dass zu viel auf einmal passiert und dein Buch überfüllt wird.

Kennst du nun die Ängste deines Protas, kannst du Ereignisse schaffen, die ihn mit genau diesen Ängsten konfrontieren.

Beispiel: Dein Prota hat Angst davor von seinen Liebsten verlassen zu werden. Also sorge dafür, dass einer seiner Liebsten genau das androht, wenn er xy nicht schaffen kann. Ein anderer Freund kann aus persönlichen Gründen wegziehen müssen, oder hat nicht mehr so viel Zeit wie früher für deinen Prota.

Diese Ereignisse kannst du nun in der oben vorgestellten Reihenfolge in deinen Plot einflechten. Beides – Plot und Character Arc – sollten sich komplettieren und einander ergänzen.

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