Hassenswerte vs. Liebenswerte Charaktere

Hassenswerte vs. Liebenswerte Charaktere

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Welche Buchfiguren bringen dich beim Lesen zum Strahlen? Und welche hasst du am liebsten?

Wahrscheinlich fallen dir jetzt etliche Charaktere aus deinen Lieblingsbüchern ein und je länger du darüber nachdenkst, desto mehr werden es wahrscheinlich.

Doch was macht manche Charaktere zu solchen Sympathieträgern? Warum hassen wir andere so gern?

Und was ist mit den Charakteren zwischen Gut und Böse? Was ist mit denen, die wir nicht leiden können, obwohl sie der Sonnenschein in Person sind. Und mit denen, die wir feiern, obwohl kaum eine Handlung dieser Figur moralisch vertretbar ist.

Womit wir bei der eigentlichen Frage des heutigen Beitrags angekommen wären: Was macht eine Figur eigentlich hassen- oder liebenswert?

Hassenswerte Figuren

Was macht jemanden zu einer hassenswerten Person? Schlechte Taten, oder? Aber ist jede schlechte Tat von grundauf Böse?

Wir alle machen Fehler, treffen schlechte Entscheidungen, die negantive Auswirkungen auf andere haben. Das mact uns nicht sofort hassenswert. Auch wenn man selbst und andere sich über diese Fehler ärgern, ist das noch kein Grund jemanden zu hassen.

Denn man hatte nie die Absicht, jemanden zu verletzen.

Und das ist der feine Unterschied. Wirklich hassen können wir nur jemanden, von dem wir vermuten – also denken zu wissen -, dass er uns oder anderen etwas Schlechtes wünscht. dass er uns weh tun will.

Um einen wirklich hassenswerten Charakter zu erschaffen, musst du demnach den Leser wissen oder glauben lassen, dass dieser Charakter Andern mit voller Absicht und ohne Rücksicht auf Verluste Schaden zufügen will. Ihm ist es egal, wenn Unschuldige wegen ihm leiden. Im Gegenteil, es macht ihm sogar Freude, anderen Schmerzen zuzufügen.

Solche Menschen haben meist entweder einen schweren psychischen Schaden (Sie sind z.B. ein Psychopath, Soziopath oder schizophren), oder ein paar falsche Entscheidungen getroffen, die sie immer tiefer sinken ließen (nun schwören sie erbarmungslose Rache oder ihnen ist alles egal geworden – soll die Welt doch brennen.)

Merke: Hassenswerte Figuren sind absichtlich böse – ihnen ist egal, was aus anderen wird. Sie bereichern sich am Leid anderer.

Liebenswerte Figuren

Liebenswert sind also all die Figuren, die nicht verachtenswert sind, richtig? Die anderen helfen, statt sie zu verletzen.

Nicht ganz.

Schein ist Sein

Stell dir eine höfliche, freundliche Frau vor, die sich in der Gemeinschaft engagiert, alle Treffen organisiert und immer etwas Extra macht. Klingt nett, oder?

Ja, und nein. Es kommt nämlich immer darauf an, wie die Figur präsentiert wird. Für eine Protagonistin, die Schwierigkeiten hat, ihren Teil zur Gemeinschaft beizutragen, weil sie eine alleinerziehende Mutter ist, die Vollzeit arbeitet – für sie kann diese Frau ein Lebensretter sein, wenn sie ihr bei der Organisation von Treffen oder ähnlichem regelmäßig unter die Arme greift.

Oder sie könnte als Belästigung empfunden werden, als jemand der anderen ständig etwas beweisen will und versucht, diese durch ihre überbordende Freundlichkeit schlecht dastehen zu lassen.

Ganz egal, welche Motivationen diese hilfsbereite Frau tatsächlich hat, ob wir sie mögen oder nicht hängt oftmals stark davon ab, was der Protagonist von ihr hält und wie er sie in seinem Denken (also der Erzählweise) präsentiert.

Merke: Ob ein Leser nun eine Figur leiden kann oder nicht, entscheidest du als Autor durch deine Erzählweise.

Durchgehend sympathische Charaktere

Durchgehend sympathische Charaktere sind die, die sowohl in ihren Tat und geschilderten Ansichten… nun, sympathisch sind. Sie tun das Richtige aus den richtigen Gründen, haben ein paar Macken, die sie liebenswert machen undzeigen dem Leser, was ihre Welt bewegt.

Diese Art von Figur ist dein typischer Protagonist.

Natürlich hat auch der seine Fehler – alles ander würde ihn unmenschlich und unnahbar machen. Aber diese Fehler basieren auf Ängsten und alten Wunden, nicht bösen Absichten.

graue Charaktere

Was macht einen Charakter grau? nicht sein Alter.

Grau bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine Figur nicht eindeutig schwarz noch weiß (gut oder böse) ist. Sie tut vielleicht das Falsche aus den richtigen Gründen oder das Richtige aus den falschen Gründen.

Dabei spiel es keine Rolle, ob die Figur nun mehr zur dunklen oder hellen Seite tendiert, hellgrau oder dunkelgrau ist. Sie hat mindesten einen Tropfen Gut einen einen Tropfen Böse in sich. So wie jeder von uns.

Das ist es, was diese Art von Figur so interessant macht. Sie sind menschlich. Jeder von uns hat schon mal eigennützig gehandelt oder jemanden verletzt. Das macht uns nicht zu grundsätzlich schlechten Menschen. Das macht uns… grau.

Genau deshalb – weil sie so nachvollziehbar sind – sind graue Charaktere gute Protagonisten.

Und das Schöne an Erzählungen, besonders im Hinblick auf graue Charaktere ist dieser: Durch die Art, wie du deine Figuren beschreibst, entscheidest du, ob ein Leser sie mag oder nicht.

Jemand, der uns auf der Straße total unsympathisch erscheinen würde, kann zum gefeierten Held in einem Buch werden.Ebenso jemand, der uns auf den ersten Blick abschreckend perfekt erscheint, kann in einer Geschichte seine wahre Seite zeigen und tausend Herzen vor Mitleid zum Schmelzen bringen.

Was ist mit Antagonisten?

Auch Antagonisten können den Leser sympathisch sein. Sie müssen nicht immer in das Klischee des dunklen Lords fallen, der aus Langeweile kleien Hasenbabys die Ohren herausreißt.

Ich denke stattdessen, dass die besten Antagonisten ebenfalls menschlich sind und uns dementsprechend gern sympathisch sein können.

Der Begriff Antagonist ist nicht gleichzusetzen mit dem des Bösewichts. Tatsächlich bedeutet Antagonist mehr so viel Gegenspieler.

Das bedeutet, dass sein Ziel im Konflikt mit dem des Protagonisten steht. Das bedeutet nicht, dass er zwangsläufig böse und verachtenswert sein muss. Auch eine besorgte Mutter kann zum Antagonisten werden, wenn sie ihr abenteuerlustiges Kind vor den Gefahren der großen, weiten Welt beschützen will.

Also, ja: Mach deine Antagonisten sympathisch, auf irgendeine Art. Die meisten Leser wissen es zu schätzen, wenn auch der Gegenspieler eine vollwertige Persönlichkeit besitzt und nicht nur aus irgendwelchen weithergeholten Gründen das Leben des Protas zu Hölle macht.

Wie du tolle, graue Antagonisten erschaffst, erfahrst du in diesem Artikel.

Um auf die Frage vom Anfang des Artikels zurückzukehren: Welche ist deine Lieblingsfigur? Und welche hasst du am liebsten? Schreib es mir in die Kommentare! Ich bin gespannt auf die Ergebnisse 😉

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