10.000 Wörter an einem Tag!?

10.000 Wörter an einem Tag!?

Wie mir diese Challenge gelang – und du kannst das auch!

50.000 Wörter in einem Monat zu schreiben klingt schon nach einer Herausforderung? Wie sollen dann erst 10.000 Wörter an einem Tag gelingen? 

Klingt unmöglich? – Dachte ich bisher auch immer, aber dann habe ich es im Januar mal gewagt. Auslöser war der Instagram Post einer Autorin (Sie hat meine absolute Lieblingsfanfiktion geschrieben), der ich seit vielen Jahre folge. „10k Challenge morgen. Bist du dabei?“

Den NaNoWriMo habe ich ja schon bereits einmal geschafft. Dann würde ich diese Herausforderung auch schaffen. Also habe ich mir das vorgenommen. Und damit ich auch wirklich liefern musste, habe ich kommentiert: „Ich suche mir noch einen Plot und dann schaue ich, was ich daraus machen kann.“

Das klingt jetzt nicht sonderlich vorbereitet. Das war ich auch nicht.

Die Vorbereitung

Es war alles sehr spontan, noch dazu musste ich am nächsten Tag 8 Stunden in meinem Praktikum vor Ort sein. Das verkürzte meine verfügbare Schreibzeit direkt um 9,5 Stunden, wenn man den Arbeitsweg und die Mittagspause mit einrechnet. Zusätzlich würde auch noch Zeit für Essen, meine morgendliche Routine und letzten Endes Schlaf drauf gehen.

Gut, beim Schlaf konnte ich noch Abstriche machen, mal nur 5-6 Stunden Schlaf würde gehen, wenn es nur eine Nacht betraf. Vom NaNoWriMo wusste ich, dass ich 2000 – 2500 Wörter in einer Stunde tippen kann. Wenn alles gut läuft. Ich legte mir einen Zeitplan zurecht.

Wecker auf 5:30 Uhr statt 7 Uhr. Bis 7:00 Uhr schreiben, dann duschen und Essen für die Arbeit vorbereiten, um 8 Uhr würde ich abgeholt werden. Zuhause wäre ich wieder gegen 17:15 Uhr. Kurz durchatmen und mit 17:45 Uhr, nein lieber pessimistisch mit 18 Uhr rechnen, wenn ich wieder zu tippen anfangen würde. Das Abendessen würde als Pause fungieren.

Also blieben etwas weniger als 6 Stunden bis zum Ende des Tages. Insgesamt circa 7 Stunden Schreibzeit, in der sollte ich die 10.000 Wörter schon irgendwie zusammen bekommen.

Das Zeitproblem, so war ich mir sicher, hatte ich also gut geregelt. Der Tag würde zweifelsohne anstrengend werden. Blieb noch das Plot Problem. Das Projekt Glyaek war zu dem Zeitpunkt bereits lange in der Rohfassung fertig, der Plot für den zweiten Teil nur in sehr groben Ideen.

Überhaupt schreibe ich das ja mit meiner Co-Autorin. Und 10.000 Wörter in der Überarbeitung schreiben, das fühlte sich nicht richtig an. Damit war Glyaek als Option raus. Aber da war doch noch so eine andere Idee…

Ich griff nach meinem Notizbuch, in dem ich eine andere Idee begonnen hatte zu entwickeln. The Tarnow Trouble. Eine Idee für einen Prolog hatte ich sogar schon verfasst, den Handlungsrahmen niedergeschrieben und die wichtigsten Charaktere im Kopf. Das sah vielversprechend aus.

Es war zwar absolut kein Plot und noch vieles sehr unstrukturiert, aber ich entschied mich dennoch das Projekt als Grundlage zu nehmen. Das war die perfekte Chance meine Charaktere und deren Wesenszüge kennen zu lernen. Würden sie überhaupt machen, was ich will oder entwickeln sie ein Eigenleben?  Wie sieht das aus?  Hat der Plot eine Chance? Dass meine Protagonisten gerne ihren eigenen Dickkopf haben, ist mir schon lange bekannt. Aber so sah ich die Möglichkeit dies direkt in den Plot einfließen zu lassen.

Nach einigen Gedanken, was ich schreiben wollte und welche Szenen sich dafür eigneten, war es auch schon spät und Zeit sich für den nächsten Tag auszuruhen. Der Dienstag würde anstrengend werden.

Der Morgen der 10k Challenge

Dienstag, 4:45 Uhr. Ich bin wach. An jedem anderen Tag hätte ich mich umgedreht und noch zwei weitere Stunden geschlafen. Aber nicht an diesem Tag. Es ist eine Gelegenheit, die ich nicht verstreichen lassen will. Ich habe fast eine dreiviertel Stunde gewonnen.

Also quäle ich mich aus dem Bett, stelle Kaffee an, greife nach Notizbuch und Laptop und mache es mir mit allen Utensilien wieder im Bett gemütlich. Tippen kann ich glücklicherweise überall. Die ersten Wörter kommen schleppend, es läuft ein wenig holprig, aber dann wird es besser, es bildet sich langsam eine Geschichte, die Ereignisse kommen in Gang.

Die einzigen Pausen bis 7 Uhr verursachen meine leere Kaffeetasse, die ich mit frischem Kaffee fülle. Musik auf den Ohren und den Laptop auf den Beinen, bin ich aber ganz schnell wieder in meiner neu erschaffenen Welt versunken.

Und bekomme dann Zeitdruck, weil ich plötzlich aufhören muss und die Szene noch nicht am Ende ist. Ich könnte auch mittendrin aufhören, aber ich lasse Szenen ungern unvollendet stehen. Also tippe ich noch ein bisschen schneller, versuche mich zu beeilen.

Um kurz nach 7 Uhr stehen 3.547 Wörter unten im Dokument. Etwas mehr als ein Drittel habe ich also geschafft. Ich bin zufrieden und gehe duschen. Meine Zuversicht, dass ich es am Abend schaffe die Challenge zu vollenden, ist groß.

Der Abend der 10k Challenge

Arbeiten gehen, wenn zuhause eine Geschichte liegt, die erzählt werden will und eine Challenge wartet, die vollendet werden will, ist nicht leicht.

Vor allem, weil mein Kopf die Geschichte die meiste Zeit weiterspinnt. Die meiste Zeit habe ich an dem Tag sehr gut zu tun, also kann ich die Gedanken an die Geschichte verdrängen und mich auf die Arbeit konzentrieren. Hin und wieder schleichen sie sich doch ein. Neue Wege und Möglichkeiten ergeben sich.

Und dann endlich: Feierabend. Nur noch nach Hause und ich kann mich wieder an meinen Laptop setzen.  Eigentlich bin ich kein großer Fan davon von früh bis spät am Rechner zu sitzen, aber an dem Tag kann ich es nicht erwarten.

Zur Einstimmung lese ich die letzte Szene noch einmal. Und eine weitere Schlüsselszene. Dann bin ich wieder in der Geschichte drin und schreibe weiter. 6.453 Wörter liegen noch vor mir. Bisher hatte ich mir alles notiert, was passieren soll, doch nach ungefähr 1.000 Wörter war ich an einer Stelle, die offen war.

Stolpersteine

Ich wusste, warum mein Protagonist dort war, wo er sein sollte, aber die Erklärung, die er in dem Moment abliefern sollte, hatte ich so grob abgesteckt, dass sie diesem in dem Augenblick die Handlung nicht voranbrachte.

Ich musste das erste Mal improvisieren. Aber mir war ja klar, wie diese Szene im Idealfall enden sollte. Kurz einen neuen Kaffee geholt, tief durchgeatmet und mich daran probiert.

Doch irgendwie war es schwer, ohne den konkreten Plot voranzukommen. Diese Szene funktionierte gut, aber danach wusste ich erst einmal nicht so recht weiter. Also warum nicht den Augenblick nutzen und mich mit Abendessen ablenken.

Wie ging es danach weiter? – Richtig, meine Protagonisten haben auch erstmal etwas gegessen. Meine Handlung für den ersten Teil der Geschichte war mehr oder weniger abgeschlossen. Es war Zeit eine Überleitung zu schreiben. Meine Wortwahl verriet mir, dass ich sie auch brauchen würde. 4.580 Wörter waren noch offen. Ich hatte gerade einmal die Hälfte.

Die nächste Szene lief schon etwas schleppender. So langsam machte sich bemerkbar, dass ich seit kurz vor 5 Uhr am Morgen wach war und den ganzen Tag vor Monitoren verbracht hatte. Immer wieder gähnte ich, meine Augen wurden müde und begannen zu brennen.

Ein Ende war noch nicht recht in Sicht. Zu viele Wörter fehlten. Immer öfter schaute ich auf den aktuellen Status und auf die Uhr. Zeit war nicht mein Problem, doch die Konzentration ließ immer weiter nach. Aber ich war hochmotiviert die 10.000 Wörter zu schaffen!

Und dann hatte ich sie endlich geschafft. Die Szene war abgeschlossen, das Dokument super lang. Es sah gut aus, auch wenn ein Blick auf die Wortzahl schon ahnen ließ, was ich lieber verdrängte. Die 10.000 Wörter waren noch nicht erreicht. 8.030 Wörter hatte ich insgesamt. 21:39 Uhr war es. Noch zwei Stunden und 41 Minuten und 1.970 Wörter.

Das war machbar, das wusste ich. Aber ich war müde, der Tag war lang gewesen und meine Konzentration ließ immer weiter nach. Und ich hatte keine wirkliche Idee, wie ich weitermachen sollte.

Mittlerweile hatte ich mir ein alkoholfreies Radler aufgemacht. Das hatte sich bereits bewährt, wenn ich abends geschrieben habe und noch einen Hauch Motivation brauchte. Wo war ich stehen geblieben?

Noch einmal las ich mir die letzte Szene durch und überlegte, wie es logisch weiter gehen musste. Nach wenigen Minuten hatte ich eine Idee und öffnete ein neues Dokument.

22:54 Uhr. Glücklich und zufrieden speichere ich meinen Fortschritt ab. 10.071 Wörter an einem Tag. Meine Augen brennen, ich bin super müde. Aber auch super glücklich. Ich habe es geschafft und mir bewiesen, dass ich diese Challenge meistern kann.

An einem Tag, inklusive Arbeit. Ich will nichts mehr machen, nur noch schlafen. Der Text wird wohl erstmal eine Weile liegen bleiben. Ich habe ein wenig Angst, dass am Ende nur noch sinnlose Sätze entstanden sind.

Fazit:

Die Nacht hatte ich einen sehr festen Schlaf, war aber dennoch nicht ganz erholt. Aber unheimlich stolz auf mich, weil ich es geschafft hatte. Die Müdigkeit ertrug ich also mit Freuden.

Wieder betrachte ich es mit meinem neuen Motto: „Ich schaffe es, weil ich es will.“ Gut, ein wenig chaotisch und ein wenig unstrukturiert, aber ich hatte den Willen es zu schaffen. Und wenn ich das mit so wenig Planung und so spontan geschafft habe, dann kannst du das mit etwas mehr Vorlauf auch schaffen.

Ich habe schon von verschiedenen Methoden gehört. Zum Beispiel mehreren Sprints á 45 Minuten Schreiben und 15 Minuten Pause. Vermutlich werden das dann insgesamt so 8-10 Stück, je nachdem wie schnell du schreibst natürlich. Oder mehrere Abschnitte über den Tag verteilt. Möglich ist alles.

Meine Empfehlung ist, dir einen vernünftigen Plot zurecht zu legen. Nimm dir Zeit, um dir die Handlung in den wichtigsten Punkten aufzuschreiben und zu konkretisieren. Das hatte ich nur sehr grob vorliegen und hat mich immer wieder Zeit gekostet, weil ich mir spontan was ausdenken und überlegen musste. An die Überarbeitung will ich gar nicht denken. Aber mit ein bisschen Planung ist es gar nicht so schwer einen solchen Tag einzulegen. Ich für meinen Teil will das unbedingt wiederholen.

Wann? – Warum nicht im April? Da ist das Camp NaNoWriMo, bei dem sich jeder sein Ziel selber steckt. In dem Rahmen bietet sich eine 10 k Challenge doch an. Ich bin dabei, du auch?

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