Warum dein Plot nicht wichtig ist

Warum dein Plot nicht wichtig ist

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Was ist es, das dich an Büchern so fesselt? Das die nachts nicht schlafen lässt, weil du nur noch ein Kapitel lesen willst? Was ist es, dass dir auch noch Jahre später im Gedächtnis bleibt?

Sind es die Ereignisse? Oder ist es das, was die Ereignisse in den Charakteren auslösen?

Der Plot beschreibt lediglich den Handlungsablauf deiner Geschichte. Also all die externen Ereignisse, die so theoretisch Jedem passieren könnten.

Doch uns interessiert eigentlich nicht, wessen Haus jetzt schon wieder in die Luft geflogen ist. Das hat man alles schon tausendmal gelesen, gesehen und gehört. Fliegt jedoch das Haus eines guten Bekannten in die Luft, interessiert uns das schon. Insbesondere, wenn wir wissen, dass er keinerlei Versicherungen oder Ersparnisse hatte, dafür aber ein paar Feinde mit vielen Ressourcen.

Zur Veranschaulichung:

Plot ist: Die Titanic sinkt. 

Charakter ist: Der mittellose Jack gewinnt eine Reise mit der Titanic und lernt dabei die Liebe seines Lebens kennen — nur um beides, sein Leben und seine Liebe, zu verlieren, als das Schiff an einem Eisberg zerschellt.

Es ist also nicht der Plot einer Geschichte, der uns packt. Es sind die Charaktere.

Warum der Plot nicht so wichtig ist

Es gibt viele Bücher und Filme mit großartigem Plot. Und es gibt viele Bücher unf Filme mit großartigen Charakteren. Beides in einer Geschichte zu vereinen ist das, wonach fast alle Autoren streben.

Doch wenn du nur eines von beidem haben könntest, solltest du dich für großartige Charaktere entscheiden.

Denn es sind die Charaktere, die uns ans Herz wachsen. Explosionen, sinkende Schiffe und Weltuntergänge sind austauschbar. Gute Figuren dagegen wachsen uns wie echte Menschen ans Herz. Sie sind diejenigen, die die Geschichte erleben und ihr Leben geben.

Plotten ohne Plot… hä?

Bevor du nun also eine Reihe unzusammenhängender Ereignisse so lange mit dem Hammer bearbeitest, bis sie sich sinnvoll ineinander fügen, hier eine bessere Idee:

Lass den Plot erstmal außen vor und beginne mit deinem Protagonisten. Denn er ist das Zentrum deiner Geschichte.

Bevor du irgendetwas anderes machst, lerne deinen Protagonisten kennen. Wer ist er? Wo kommt er her? Und am wichtigsten: Wovor hat er Angst? Welchen Irrglauben (über sich oder die Welt) hält er für wahr? Was will er mehr als alles andere erreichen?

Diese drei fragen definieren nicht nur Angst Irrglaube und Wünsche deines Protagonisten. gebündelt ergeben sie auch das Thema deiner Geschichte.

Wenn du eine der drei Fragen nicht mit Sicherheit beantworten kannst, dann gehe für einen Moment tief in dich und frage dich: Was will ich mit dieser Geschichte erreichen? Welche Nachricht will ich übermitteln, welche Lektion dem Leser lehren? Warum ist diese Geschichte wichtig?

Alles, was danach geschieht, hängt in irgendeiner Weise mit den Ängsten, Hoffnungen und dem Irrglauben deines Protagonisten zusammen. Er beginnt die Reise, weil er hofft, etwas daraus zu gewinnen. Doch dabei begegnet er ständig seiner Angst. Das, und sein Irrglaube, halten ihn zurück.

Die Reise, die dein Protagonist bestreitet, wird ihn lehren, sich seiner Angst zu stellen, seinen Irrglauben als solchen zu erkennen und vielleicht sogar zu verstehen, dass die Erfüllung seines Wunsches ihm nicht geben kann, was er braucht.

Die Character Arc

Ich hatte letztens bereits einen Artikel über die verschiedenen Character Arcs geschrieben, doch zum besseren Verständnis folgt hier noch einmal die klassische Arc:

  1. Vorstellung der Figur, zusammen mit seinen Ängsten und Irrglauben, seinen Hoffnungen und Wünschen.
  2. Protagonist wird vor eine erste Herausforderung gestellt, die seinen Irrglauben konfrontiert (Inciting Incident). Doch statt sich dem zu stellen, weicht er aus und entscheidet sich für den scheinbar einfacheren Weg, welcher es ihm ermöglicht, seine Ängste weiterhin zu umgehen und dennoch seine Wünsche zu erfüllen.
  3. Diese Vermeidungsstrategie sorgt jedoch nur für weitere Probleme. 
  4. Der Midpoint zeigt dem Protagonisten, dass er sich seiner größten Angst stellen muss, wenn er seine Wünsche verwirklichen will. 
  5. Protagonist passt seine Strategie an, doch sie hat noch immer Fehler.
  6. Er scheitert. Und fällt tief. Ein Sieg scheint unmöglich. 
  7. Aha-Moment: Der Protagonist erkennt seinen Irrglauben und überwindet seine Angst. 
  8. Dank des Aha-Moments hat der Protagonist nun alle Mittel, um sich dem finalen Kampf zu stellen. Er gewinnt und geht gestärkt aus der Geschichte hervor. Er hat nun entweder seinen Traum verwirklicht oder erkannt, dass dieser Traum seinem Irrglauben entwachsen war und bekommt stattdessen, was er wirklich brauchte. 

Hast du erst eine funktionierende Character Arc, folgt der Rest von allein. Orientiere dich dazu am besten an der 3-Akt-Struktur.

Jede Herausforderung, vor die der Protagonist in deiner Geschichte gestellt wird, sollte eine der drei essentiellsten Fragen ansprechen: Angst, Irrglaube, größter Wunsch.

Auf diese Weise schaffst du eine Geschichte, die nicht nur eine packende Handlung hat, sondern auch eine, deren Handlung Bedeutung hat.

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