Was du über Subplots wissen solltest

Was du über Subplots wissen solltest

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Eine Geschichte besteht aus unheimlich vielen Kleinteilen. Das ist etwas, das man erst realisiert, wenn man versucht, selbst eine zu schreiben.

Da ist die Wandlung, die der Protagonist durchläuft. Da ist seine Vorgeschichte und seine Zukunft, die du planen musst. Und dann sich da natürlich auch noch die Geschichten von all den anderen Figuren: Von den Eltern, Ferunden, Feinden, Mentoren und Love-Interests.

Das kann man doch nicht alles einfach unter den Tisch fallen lassen, oder? Gleichzeitig kann man aber auch nicht jede Geschichte im Detail erzählen. Sonst würde man nie fertig werden.

Wie also entscheidet man, welche Geschichten in einem Buch erzählt werden sollen und wie detailliert diese sein sollten?

Willkommen in der verzwickten Welt der Subplots!

Was ist ein Subplot überhaupt…?

Subplots sind zweitrangige Handlungsstränge, die parallel zur Haupthandlung verlaufen. Sie können auch Nebenplot oder B-Story genannt werden.

Subplots erweitern die erzählte Welt, indem sie weitere Facetten davon zeigen und sie realer erscheinen lassen. Sie behandeln Probleme, die den Hauptplot thematisch erweitern, tragen dabei aber dennoch (indirekt) zu seinem Fortschritt bei. Dabei sollte jeder Subplot eigene Ziele verfolgen.

Es gibt keine Regeln bezüglich der Länge oder Tiefe von Subplots. Sie können beinahe die gesamte Länge deines Buches spannen oder nur einen Teil davon begleiten.

Am einfachsten ist es, Subplots anhand von Figuren festzumachen. Dabei kann der Subplot sowohl der Weg sein, den der Protagonist mit dieser Nebenfigur beschreitet, als auch der individuelle Werdegang der Nebenfigur (ohne direkten Einfluss des Protagonisten).

Zwei Beispiele:

  1. Dein Protagonist hat einen Mentor und macht eine Ausbildung bei ihm. Jede Szene, in der dein Protagonist nun mit seinem Mentor trainiert oder auch für eventuelle Prüfungen lernt, zählt zum Mentor-Subplot
  2. Der beste Freund deines Protagonisten verliebt sich. Diese liebesgeschichte verläuft parallel zu den Erlebnissen des Protagonisten, ohne dass dieser aktiv daran teilnimmt. Entweder erleben wir diesen Subplot indirekt, etwas durch Gespräche mit dem besten Freund, oder direkt durch seine Augen.

Der Unterschied zwischen Subplot und B-Story

Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Subplot und B-Story, der den meisten wahrscheinlich gar nicht bewusst ist. Das ist nicht schlimm. Viele verwenden B-Storys, ohne es zu bemerken.

Doch der Vollständigkeit halber möchte ich in diesem Artikel darauf eingehen. Vielleicht hilft es auch dem ein oder Anderen, seine Geschichte zu schärfen.

B-Storys sind die Königinnen unter den Subplots, denn sie unterstützen den Hauptplot deutlich stärker. B-Storys orientieren sich direkt an den Bedürfnissen des Protagonisten. Sie sind dafür geschaffen, seine Ängste zu konfrontieren und dem Protagonisten somit wortwörtlich den Spiegel vorzuhalten.

Das schaffen sie auf zweierlei Art:

  1. Indem sie dem Protagonisten zeigen, wie ein Leben aussehen könnte, in dem er nicht seiner Angst und seinem Missglauben unterlegen ist. Die Figur, der dieser Subplot gehört, hat bereits begriffen, was dein Protagonist gegen Ende des Buches erst noch lernen muss. Ist dein Protagonist beispielsweise sehr geizig, so könnte die Nebenfigur sehr freigiebig sein, auch wenn sie selbst vielleicht nicht so viel besitzt.
  2. Indem sie genauso schlimm (oder schlimmer) von derselben Angst gebeutelt sind wie der Protagonist. Dies ist das krasse Gegenteil zu Erstens, denn hier wird uns die schlimmstmögliche Version des Protagonisten vor Augen geführt – das, was er werden könnte, wenn er seine Angst und seinen Irrglauben nicht überwindet. Um beim Beispiel des geizigen Protagonisten zu bleiben, könnte die dazu passende Nebenfigur jemand sein, der zwar massenhaft Geld hat, aber niemanden mehr, mit dem er diesen Reichtum nun teilen könnte. Was den Sinn der Aussage: „Geld macht Glücklich“ in Frage stellt.

Meist hat eine Geschichte nur eine konkrete B-Story, doch es steht dir natürlich frei, von jede der zwei oben genannten Arten von B-Storys in deine Geschichte zu integrieren. Dabei solltest du jedoch auf eine subtile Anwendung achten, da dein ganzes Buch sonst zu sehr nach einer Moralpredigt klingt. Daher ist es wichtig, dass die Figuren, die Subplots erhalten, ebenso ausgereift und vielschichtig sind wie dein Protagonist.

Im gegensatz zu B-Storys können Subplots jeder Art von Handlung und Figur folgen. Sie haben keinen so starr festgesetzten Zweck wie die B-Story, auch wenn sie dennoch den Hauptplot in irgendeiner Weise unterstützen sollten, etwa indem sie dem Protagonisten zu einer Erkenntnis verhelfen oder den Zugang zu bestimten Waffen, Gegenständen oder Personen ermöglichen.

Wie viele Subplots braucht mein Buch?

Es gibt keine vorgeschriebene Anzahl von Subplots, die ein Buch haben muss. Wie immer beim Schreiben und in der Kunst, ist hier alles erlaubt.

Dennoch würde ich dir empfehlen, etwa 2-5 Subplots in dein Buch zu integrieren, idealerweise ist einer davon eine B-Story. Die Gründe dafür sind einfach:

Eine Geschichte ohne Subplots praktisch kaum machbar. Und wenn, dann wäre sie sicher sehr langweilig und eintönig.

Zu viele Subplots dagegen können den Leser verwirren und du läufst Gefahr, dass sie zu sehr von Hauptplot ablenken oder diesen sogar überlagern. Außerdem kann es immer wieder vorkommen, dass du mittendrin vielleicht einen Subplot vergisst oder unfertig auslaufen lässt. Ein weiteres Risiko, das mit jedem zusätzlichen Subplot steigt, ist, dass du dich verzetteln könntest. Je größer deine Geschichte, desto schwieriger wird es, alle Fäden zu einem befriedigenden Gesamtbild zusammenzufügen.

Aufbau eines Subplots

Ganz allgemein, folgt ein Subplot derselben Stuktur wie jede andere Geschichte auch: Anfang, Mitte, Ende. Du planst ihn, wie du deinen Hauptstrang plotten würdest, welche Plotmethode du auch verwendest.

Der Subplot sollte sich dabei aus der Haupterzählung ergeben. So stellst du sicher, dass der Leser begreift, warum diese Nebenerzählung relevant ist. Zudem sorgst du so dafür, dass das Thema deiner Story konstant bleibt.

Einen Subplot beginnst du idealerweise nach dem Inciting Incident, wenn dein Protagonist in der Neuen Welt angelangt und erste Hürden vor sich sieht, also etwa bei der 10-20%-Marke. Manche Handlungsstränge sind auch schon länger Teil des Lebens des Protagonisten und haben ihren Anfang bereits vor dem Beginn deines Buches. Das ist nicht schlimm.

Dennoch solltest dein Fokus während der ersten 10% deines Buches darauf liegen, den Protagonisten und Hauptplot kennenzulernen. Subplot, auch wenn sie theoretisch schon länger laufen, können auch später noch vorgestellt werden.

Hast du mehrere Subplots, s versuche, sie alle der Reihe zu integrieren. Nichts ist schlimmer, als in einem Kapitel 10 neue Charaktere und deren Lebensgeschichten zu präsentieren und dann von Leser zu erwarten, dass er sie alle auseinanderhalten, geschweige denn sich an alle erinnern kann.

Ist der Startschuss dann ertönt, kann der Subplot weit vom Haupterzählstrang abgleiten und seinen eigenen Bedürfnissen folgen, die sich meist aus den Zielen, Ambitionen und Ängsten des jeweiligen Nebencharakters ergeben. Etwa zur Mitte des Buches , also während des Midpoints, sollten sich die Pfade des Hauptplots und des Subplots nochmal kreuzen und einander beeinflussen, bevor sie schließlich wieder auseinandergehen.

Schließlich kommen sie am Ende, idealerweise kurz vor, nach oder während des Klimaxes wieder zusammen.

Damit erhältst du die drei wichtigsten Berührungspunkte. Diese gelten auch, wenn dein Subplot kürzer ist, also sich beispielsweise nur über 50% deiner Story erstreckt. In diesem Fall kannst du dich zwar nicht an den speziefischen Plotpunkten wie Midpoint oder Klimax festmachen, doch das Prinzip von Anfang, Mitte, Ende kann dir dennoch eine grobe Orientierung geben.

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