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Effektiv Plotten – mein Plot-Prozess von der Idee zur Outline

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Plotten kann anstrengend und verwirrend sein – für jeden Autor! Insbesondere Newbies, die noch keinen eigenen Plotprozess entwickelt haben , sind darauf angewiesen Methoden anderer auszuprobieren.

Ziehe Inspiration aus möglichst vielen Quellen, kombiniere, was am besten zu dir passt und erschaffe so mit der Zeit deinen eigenen Prozess, den du mit der Zeit verfeinern kannst.

Hier ist meiner 😉

Schritt 1: Premisse und Brain Dump

Das Erste, was ich tue, wenn ich eine konkrete, neue Buchidee entwickelt habe, ist folgendes:
Ich öffne ein neues Dokument, erstelle eine erste Premisse und schreibe dann alles auf, was ich bisher über die Geschichte, Charaktere und die Welt weiß.

Für alle, die nicht wissen, was eine Premisse ist: Es ist eine ein-Satz-Zusammenfassung deiner Idee. Sage knapp und klar, worum es im Hauptkonflikt deiner Geschichte geht.

Das könnte ungefähr so aussehen:
Eine junge Bogenschützin meldet sich freiwillig für die traditionellen Spiele, in denen sich Teenager bis auf den Tod bekämpfen. (Die Tribute von Panem, Suzanne Collins)
Ein Königreich verstrickt sich in Machtspiele im Kampf um den Thron, während eine unbekannte Gefahr im Norden droht, alles Leben auszulöschen. (Game of Thrones, George R. R. Martin)
Ein Mörderclown terrorisiert eine Bande kleiner Kinder. (IT, Stephen King)

Die Premisse dient dir als Leitlinie, an der du dich während des Schreib- und Plotprozesses stets orientieren kannst. Sie muss nicht schön oder kunstvoll sein – sie muss dich nur daran erinnern können, worum es in deiner Geschichte wirklich geht.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass du deine Premisse später noch anpassen und abändern wirst, während deine geschichte wächst. Dennoch ist sie als Fixpunkt für deinen Plot ein wichtiger Baustein.

Nun, da du dein Buch in einem Satz beschreiben kannst, wird es Zeit die einzelnen Aspekte auszuweiten. Dafür gibt es den Brain Dump (frei übersetzt: Ein Ort, an dem du all deine Ideen auskotzen kannst).

Das sieht für jeden anders aus und kann so detailliert, geordnet, ausführlich oder kurz sein, wie es sich für dich richtig anfühlt. Der einzige Zweck des Brain Dumps ist es, deine Ideen greifbar zu machen.

Falls du dir noch nichts darunter vorstellen kannst, hier sind einige Dinge, die ein Brain Dump beinhalten kann:

  • Tragische Details aus der Vorgeschichte des Protagonisten
  • Lustige/tragische/ikonische Szenen, die unbedingt mit in das Buch müssen
  • Festen von Dialogen
  • Worldbuilding-Details
  • Umfang, Genre, Stimmung, Stil deines Buches
  • Name der Stadt, in der dein Prota geboren wurde
  • Das große Finale

Schritt 2: Rahmen festlegen

Nun, da du ungefähr weißt, worum es in deinem Buch allgeimein gehen soll, wird es Zeit eine neue, leere Seite zu öffnen und den Rahmen deines Buches festzulegen. Insbesondere der Umfang ist hier entscheidend. Willst du einen Einzelband schreiben oder eine Reihe? Und wenn du eine Reihe schreibst, wie viele Bände soll sie enthalten?

Diese Fragen zu klären, ist wichtig, da Einzalbände und Reihen unterschiedlich geplottet werden.

Soll es nur ein Band werden, plottest du es standardgemäß. Doch planst du eine Reihe, so ist es empfehlenswert, bereits zu Beginn feste Werte für jedes Buch festzulegen. Es ist wichtig, dass du weiß, wo das letzte Buch deiner Reihe endet, bevor du den ersten Teil zu schreiben beginnst. Andernfalls ist das Risiko hoch, dass du dich im Netz der Erzählstränge verhedderst und kein zufriedenstellendes Ende findest.

Am einfachensten ist es, bereits jetzt einen definitiven Start- und Endpunkt für dein Buch festzulegen (und jeden Teil in deiner Reihe, falls du eine schreibst).

Sobald du das weiß, sollte es dir leichter fallen, das Ausmaß der Ereignisse zu schätzen, die zwischen diesen beiden Punkten liegen müssten. Anhand dieser Schätzung kannst du dann beurteilen, ob dein Buch tendentiell 300 Seiten haben wird oder eher 600.

Hinweis: Mir ist bewusst, dass das alles noch recht vage klingt, doch genau das soll es auch sein. Wichtig ist an dieser Stelle, dass du eine erste Einschätzung vom Umfang der Story und des Buches gewinnst. Das sind keine feststehenden Werte und werden sich im Laufe deiner Planung sicher noch anpassen. Dafür brauchst du jedoch erstmal Werte, die du anpassen kannst.

Schritt 3: Der Idee Form geben

Wie in der Bildhauerei sitzt du nun vor einem massiven Steinblock, in dem unendlich viel Potential steckt. Um dieses Potential nutzen zu können, musst du jedoch erstmal beginnen, deiner Idee eine grobe Form zu geben.

Dafür hast du generall drei Werkzeuge:

  • Deine Figuren
  • diverse äußere Ereignisse, Konflikte und Handlungsstränge (Plot)
  • das Thema bzw. die Moral deiner Geschichte

Jedes Werkzeug hat einen anderen Effekt und Nutzen, doch du brauchst sie alle, um eine zufriedenstellende Geschichte zu erschaffen. In welcher Reihenfolge du sie einsetzt, um den Stein vor dir in Form zu bringen, ist dir überlassen.

Manche starten gern mit einer Sache und arbeiten sich dann konsequent durch. Ich bevorzuge es jedoch den Gegebenheiten der Story zu folgen und jedes Werkzeug je nach Bedarf abwechselnd zu nutzen, bis sich ein zufriedenstellendes Gesamtbild ergibt.

Meist beginne ich jedoch mit dem Plot.

Schritt 3A: Plotpunkte

Sobald ich eine grobe Idee habe, versuche ich sie bereits so gut es geht in die 11 Plotpunkte der 3-Akt-Struktur einzuteilen. Die einzelnen Punkte sind ausführlich in meinen Ratgeber „Der kleine Plotkurs“ beschrieben, zusammen mit Beispielen und Hinweisen zur Umsetzung, insbesondere in Verbindung mit der Figurenentwicklung des Protagonisten.

Wer jedoch nicht damit vertraut ist, hier nochmal eine kleine Liste der Plotpunkte:

  1. Einstiegskrise
  2. Inciting Incident
  3. Erster Potpunkt
  4. Spaßteil
  5. Midpoint
  6. Düsterer Teil
  7. Zweiter Plotpunkt
  8. Tiefpunkt
  9. Aha-Moment
  10. Klimax
  11. Nachwirkungen

Manche Plotpunkte sind umfangreicher und/oder schwerer festzulegen als andere, weshalb ich meist erstmal mit den aller wichtigsten 3 Bausteinen beginne: Dem Anfang (Inciting Incident), der Mitte (Midpoint) und dem Ende (Klimax).

Wenn du die hast, folgen die anderen Punkte ganz von allein — mit der Zeit. Bitte versuche nicht, auf Krampf diese Liste auszufüllen. Auch da können sich immer noch Dinge ändern. Solltest du an einer Stelle nicht weiterkommen, versuche dein Glück stattdessen mit einem der anderen beiden Werkzeuge.

Schritt 3B: Figuren und Character Arcs

Durch die Augen deiner Figuren erlebt der Leser die Story. Daher ist es wichtig, sie so authentisch und lebendig wie möglich zu gestalten.

Wie man glaubwürdige Protagonisten oder Antagonisten erstellt, darauf möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen. Dazu gibt es bereits einige Beiträge auf diesem Blog.

Doch abgesehen von der Backstory und Augenfarbe deines Protas gibte es noch einen entscheidenden Aspekt, der ihn bei richtiger Ausführung zum Leserliebling machen kann: Die Character Arc.

Eine Character Arc beschreibt die Entwicklung, die eine Figur im Laufe des Buches durchmacht. Besonders der Protagonist sollte eine gewisse Wandlung durchgehen. Er beginnt seine Reise meist als verängstigtes Lämmchen, das im Laufe der Story stückweise seine Ängste abschüttelt, sein weiches Fell verliert und am Ende eine große Erkenntnis (den Aha-Moment) hat, die ihn zum Wolf macht.

Da diese Erkenntnis und dadurch auch die damit verbundene Entwicklung des Protagonisten stark mit dem Thema der Story verknüpft ist, solltest du dir darüber als nächstes Gedanken machen.

Schritt 3C: Thema

Das Thema ist ein weniger greifbarer Baustein deiner Geschichte als die vorherigen beiden. Dennoch ist es fundamental.

Denn das Thema zieht sich wie ein roter Faden durch dein gesamtes Werk.

Viele Autoren tun das bereits unbewusst, doch lassen dabei noch viele Potentiale ungenutzt. Denn um den vollen Effekt dieses speziellen Werzeuges erleben zu können, muss es gezielt eingesetzt werden.

Das Thema deines Werkes ist die Erkenntnis, die der Protagonist während des Aha-Moments hat. Und es ist das Gegenteil seiner Angst. Damit ist Thema bereits ein fester, essentieler Aspekt einer gelungenen Character Arc.

Doch was ist mit Plot? Auch der Plot folgt einem Thema. Das ist meist weniger offensichtlich erkennbar, doch es ist da. Es macht sich besonders bemerkbar in den Momenten, in denen dein Protagonist mit seiner Angst konfrontiert wird. Alles im Plot und in der Welt rundherum drängt den Prota dazu, sich dieser Angst zu stellen.

Das Thema kann in mehreren Facetten auftreten, unter anderen auch representiert durch sogenannte Kontrastcharaktere oder den Antagonisten.

Das Thema ist sehr komplex und vielschichtig, weshalb weitere Aufführungen den Rahmen dieses Blogbeitrages sprengen würden. In Zukunft wird es dazu sicher noch einen eigenen Beitrag geben.

Schritt 4: (Erste) Szenen planen

Wenn du mit dem dritten Schritt – der zugegeben eher einem Prozess entspricht — dann solltest du jetzt schon einen guten Überblick über die wichtigsten Events, Figuren und das Thema haben. Theoretisch könntest du nun sofort anfangen zu schreiben. Und wenn du eher richtung Pantser tendierst, dann solltest du das auch tun.

ABER…

Das was du jetzt hast, ähnelt mehr einem groben Plan, als einem standfesten Plot. Daher empfehle ich dir, zumindest noch folgendes zu tun: Plane deine ersten 3-5 Szenen.

Beschreibe sie, wie du früher in der Schule Kapitel aus fertigen Büchern beschreiben solltest. Wer ist Wo? Was geschieht? Wie hat sich die Situation zum Ende des Kapitels geändert?

Ein super Hilfsmittel, um fesselnde Kapitel zu schreiben, ist Scene & Sequence. Wer mit dem System nicht vertraut ist, sollte diesen Beitrag lesen. Kurz zusammengefasst enthält Scene & Sequence jedoch folgende Komponenten:

Scene:

  • Ziel des Protagonisten zu Beginn des Kapitels
  • 3 Konflikte oder Hindernisse, die ihn aufhalten, sein Ziel zu erreichen
  • Eskalation der Konflikte/Hindernisse – Protagonist erreicht sein Ziel oder scheitert

Sequence:

  • emotionale Reaktion auf die Eskalation
  • Gedanken zur Eskalation
  • Handlungsmöglichkeiten, die dem Prota nun noch übrig bleiben, wenn er sein Ziel erreichen will
  • Entscheidung: Prota entscheidet sich für eine Möglichkeit. Daraus ergibt sich sein Ziel für das nächste Kapitel

Auf diese Weise könntest du theoretisch dein gesamtes Buch auf Kapitelebene planen. Das habe ich ursprünglich auch getan. Doch da kein Plan den Kontakt mit dem Feind überlebt, bin ich in meinem derzeitigen WIP dazu übergegangen, immer nur ein paar Kapitel vorweg zu planen.

Schritt 5: kontinuierliches Überarbeiten und Anpassen

Ich empfehle dir an dieser Stelle, deinen fertigen Plot und Kapitelplan mindesten noch einmal durchzulesen und zu überarbeiten, bevor du anfängst zu schreiben. Auf diese Weise kannst du Plotlöcher und andere Unsinnigkeiten schneller ausbessern, als du es in einem fertigen Manuskript könntest.

Ich rate dir an dieser Stelle jedoch, es mit dem Ausbessern deines Plottes nicht zu übertreiben. Es ist sehr, sehr wahrscheinlich, dass sich Dinge ändern werden, sobald du anfängst zu schreiben.

Das ist nur natürlich, da dir während des Schreibprozesses immer wieder Details bewusst werden, hinzugefügt oder entfernt werden, an die du im Planprozess noch gar nicht gedacht hattest.

Ein Beispiel: In meinem derzeitigen WIP gibt es eine Figur, die zuerst nur eine winzige Randrolle bekommen sollte – doch die Chemie zwischen ihr und meinem Prota war einfach so toll, dass sie nun sein ungeplanter Love Interest ist und wahrscheinlich auch eigene Kapitel bekommt, die aus ihrer Sicht erzählt werden.

Solche Dinge sind unvorhersehbar – und das ist wunderbar.

Das heißt jedoch nicht, dass dein gesamter Plot wegen dieser eventuellen Änderungen hinfällig wird. Ja, ein paar Szenen müssen eventuell angepasst werden. Doch ohne einen Plot hättest du keine Szenen, die du anpassen könntest.

Das, was du im Plotprozess erschaffst, ist keine Bibel. Es ist ein Leitfaden, der dir einen Blick in die Zukunft ermöglicht, ohne dabei alles preiszugeben.

Bonus: Überblick über all die Dokumente behalten

Wenn du alle Schritte genau eingehalten hast, dann hast du jetzt eine Menge einzelner Dokumente, die irgendwo auf deinem Dektop herumgeistern – für dein Brain Dump, die Rahmendaten, all deine Figuren, Plotpunkte, Worldbuilding, Kapitelplan,… Und du hast noch nicht einmal angefangen, die einzelnen Kapitel zu schreiben.

Bei all den Word-Dokumenten kann man schnell mal den Überblick verlieren. Ganz zu schweigen von dem endlosen Öffnen und Schließen diverser Dateien, wenn man eigentlich nur nach diesem einen Detail suchen will.

Ich persönlich wollte mir das irgendwann nicht mehr antun.

So einfach und ordentlich sieht mein Planungs-Prozess nun mit Scrivener aus:

Brain Dump, Premisse und Rahmendaten meine WIP in Scrivener

In Scrivener erstellst du dir eine große Projekt-Datei, in der du beliebig viele Ordner und Dokumente anlegen kannst. Alles ist innerhalb von Sekunden greifbar, kann per Drag-and-Drop sortiert und in verschiedenen Ebenen gespeichert werden.

Und das Beste: Es ist nicht nur ordentlich und schnell zugänglich, sondern auch sehr hübsch. Hintergrund und Farben können in den Einstellungen individuell an dich und dein Projekt angepasst werden.

Planung der Plotpunkte meines WIP in Scrivener

Scrivener hat viele Vorteile, die leichte Organisation ist nur einer davon. Wenn du mehr über die Funktionsweise des professionellen Schreibprogramms erfahren willst, erhälst du alle weiteren Infos in diesem Artikel.

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