Plotter oder Pantser – Welcher Typ bin ich?

Plotter oder Pantser – Welcher Typ bin ich?

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Auf meiner Reise durch das WWW bin ich anfangs auf der Suche nach Tipps und Tricks zum Schreiben eines eigenen Buchs diverse Male auf die Begriffe Plotter und Pantser gestoßen.

Wenn du meine Artikel verfolgst, bist du auch schon auf die Begriffe gestoßen. In meinem letzten Artikel habe ich sie sogar als Vorausdeutung eingebaut und hier möchte ich mich nun etwas ausführlicher mit den beiden Begriffen auseinandersetzen.

Ich glaube nicht, dass man sich eindeutig einem Typ zuordnen kann, sondern sich eher einem der beiden Typen annähert, aber immer sowohl Plotter als auch Pantser in einem stecken. Dennoch finde ich, dass angehende Autoren sich mit dieser Frage beschäftigen sollten.

Erste Schritte als Plotter oder Pantser

Dafür möchte ich nochmal einen kurzen Schritt zurück machen und darauf eingehen, was denn Plotter und Pantser überhaupt bedeutet. Ein Plotter überlegt sich, bevor er die Geschichte beginnt, wie die grobe Handlung – also der Plot – verlaufen soll. Der Pantser setzt sich im wahrsten Sinne auf den Hosenboden (engl. seat of pants) und fängt an, zu schreiben.

Als ich am Anfang stand, hatte ich eine grobe Idee, die mich gefesselt hat und ich wollte gleich loslegen. Mein „gleich loslegen“ endete aber darin, dass ich ganze 10 Monate nur mit Recherchen verbracht habe.

Das waren Recherchen darüber, wie man überhaupt schreibt, aber auch inhaltliche Recherchen. Mein Aktionsdrang ist also komplett in Recherchen geflossen, ohne dass ich auch nur ein Wort der eigentlichen Geschichte geschrieben habe.

Als ich das erste Mal auf die Begriffe Plotter und Pantser gestoßen bin, war für mich sofort klar, dass ich definitiv ein Plotter bin. Werkzeuge, die einem Autoren helfen, die Geschichte zu strukturieren und vorzuplanen, waren mir da noch gar nicht bekannt. Dennoch hatte ich zu dem Zeitpunkt bereits unzählige Listen und Tabellen für meine Geschichte angelegt.

Zum Glück bin ich dann irgendwann auf diese Möglichkeiten gestoßen, denn ansonsten wäre ich wohl früher oder später in einer Flut von Dateien ertrunken, hätte komplett den Überblick verloren und hätte mein Projekt irgendwann entmutigt aufgegeben.

Ist man entweder Plotter oder Pantser?

Für das Plotting gibt es diverse Methoden, auf die ich in diesem Artikel nicht eingehen möchte, da sie alle für sich einen eigenen Artikel wert sind. Für mich war es sehr hilfreich diese Methoden zu nutzen, um meine zusammengetragenen Informationen in einer logischen Struktur zusammenzuführen.

Vor allem aber, hat mich die Auseinandersetzung „Plotter oder Pantser“ zu einer Erkenntnis kommen lassen. Du kannst unmöglich alles bis ins kleinste Detail planen.

Die Werkzeuge helfen bei der Planung und die Planung ist für mich dann auch stimmig und sinnvoll. Doch irgendwann kommt der Tag, an dem Du anfangen musst, zu schreiben.

Ein Pantser hat es da eventuell etwas leichter, denn er beginnt sofort mit dem Schreiben. Ich bin überzeugt davon, dass ich, wenn ich mir früher mehr Pantser-Qualitäten zugetraut hätte, heute schon sehr viel weiter mit meinem Buch wäre.

Ich glaube auch, dass sich dadurch kaum bis gar keine Nachteile ergeben hätten, aus dem einfachen Grund, dass ich viel zu viel Zeit in die Planung gesteckt habe.

Aus heutiger Sicht würde ich meine Ansicht revidieren, dass ich ein waschechter Plotter bin. Ich glaube jeder von uns bewegt sich irgendwo zwischen beiden Ausprägungen. Der Eine ist eher Plotter als Pantser und der Andere eher Pantser als Plotter, doch wir alle bewegen uns irgendwo dazwischen.

Ich bin weiterhin eher Plotter und das ist auch gut so, denn ohne meine diversen Tabellen und meine Buchbibel wäre ich im Schreibprozess aufgeschmissen. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass ich irgendwann zu der Erkenntnis kam, dass ich trotz aller Zweifel einfach anfangen muss.

Darauf folgte nämlich die nächste Erkenntnis: Ich bin auch in der Lage mich auf den Hosenboden zu setzen, einen Schreibfluss zu entwickeln und Geschichten zu schreiben, die nicht komplett vorgeplant sind, sondern im Schreibprozess meiner Fantasie entspringen.

Auseinandersetzung mit den Begriffen und mit Dir selbst

Ich denke, es ist hilfreich, dass Du Dir bewusst machst, welcher Typ Mensch du bist. Ich bin ein Mensch, der sehr viel plant, auf Sicherheit bedacht ist und Dinge gerne doppelt und dreifach überdenkt.

Wenn Du Dich darin wiederfindest, empfehle ich Dir, dass Du Dich mit Plotting und anderen Planungswerkzeugen auseinandersetzt, um deiner Idee und deiner Geschichte eine Struktur zu geben.

Wenn du eher pragmatisch unterwegs bist, Aufgaben lieber gleich angehst und ungern viel Zeit in ausufernde Vorüberlegungen investierst, gibt es im Grunde nur einen Rat. Schreib!

Es gibt keinen idealen Weg, um ein Buch zu schreiben. Es gibt nur Deinen Weg. Beide Typen haben ihre Daseinsberechtigung und jeder Weg kann zum Erfolg und zu deinem ersten eigenen Buch führen. Die einzige Voraussetzung ist, dass Du früher oder später anfängst, zu schreiben.

Plotter müssen nach der Planung den Absprung schaffen und mit dem Schreiben beginnen, ohne sich in detailliertem Worldbuilding oder ausführlichen Steckbriefen für Charaktere, inkl. Interviews mit 70 Fragen, zu verlieren.

Pantser sollten einen einfacheren Einstieg haben, doch dafür ist die Überarbeitung potenziell umfangreicher. Sie sollten die Geschichte darauf prüfen, ob sie einem roten Faden folgt und ob sich vielleicht irgendwo Plot Holes verstecken.

Beides ist beim Vorausplanen potenziell leichter zu verhindern, weil ein strukturierter und logischer Plot vorgedacht wird.

Ein Blick hinter die Kulissen eines Plotters

Bis hierhin habe ich alles im Stile eines Pantsers geschrieben, obwohl ich vorher eine gesonderte Word-Datei mit mehreren Seiten Stichpunkten zu Pantsern und Plottern vorbereitet hatte.

Fazit: Vorausplanen ist nicht immer sinnvoll und unter Umständen schränkt es dich eher ein.

Finde für Dich das richtige Maß an Pantser oder Plotter. Wichtig ist nur, dass Du Dich damit auseinandersetzt, in welchem Maß Du vorausplanst oder einfach loslegst. Vertraue auch darauf, dass Deine Fantasie tolle Geschichten hervorbringt und Deine Charaktere ohnehin irgendwann die Kontrolle übernehmen, ganz gleich ob Du vorausgeplant hast oder nicht.

Deine Plotter-Qualitäten setzen ihnen Grenzen und bewegen sie wieder auf den rechten Weg und Deine Pantser-Qualitäten geben ihnen die nötige Freiheit sich selbst und die Geschichte weiterzuentwickeln.

Vor- und Nachteile

Im Folgenden möchte ich Dir noch die Vor- und Nachteile eines Plotters bzw. eines Pantsers zusammenfassend gegenüberstellen:

Plotter
ProContra
Ausführliche Vorbereitung fördert Schreibfluss (z.B. keine kreative Energie für Namensfindung oder Ähnliches nötig)zeitaufwendig
Vorgefertigter roter FadenFreiheit (evtl.) eingeschränkt
Sicherheit, weil Logikfehler früh erkanntEvtl. ein offensichtlicher Reißbrett-Roman
EinfachheitUnsichtbare Grenzen, die Charaktere durchbrechen wollen
Pantser
ProContra
Sofortiger EinstiegPotenzielle Überforderung
Freiheit / FlexibilitätRisiko potenziell größer für Plot Holes
Schreibfluss durch selbstständige Charaktere möglich, sie werden nicht durch Outlinegrenzen aufgehaltenCharaktere können zu eigenständig werden und man verliert den roten Faden
Evtl. mehr Raum für KreativitätWährend des Schreibens aufwendige Dokumentation, damit wichtige Einfälle nicht verlorengehen

Ich hoffe dieser Artikel, in dem sowohl der Plotter als auch der Pantser in mir tätig werden durften, hat Dir gefallen. Nun meine Frage an Dich:

Bist du eher Plotter oder eher Pantser und siehst Du noch weitere Vor- oder Nachteile?

Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

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  3. Vivi

    Hey, ich habe grade das erste Mal davon gehört und habe sofort gemerkt, dass ich eher Pantser bin. In meinen Augen hat das allerdings auch sehr viele Nachteile. Als ich anfing zu schreiben, habe ich mir max. ein paar Dina 4 Seiten zur Vorbereitung aufgeschrieben, weil ich es kaum erwarten konnte endlich anzufangen. Wirklich weit bin ich dann aber nie gekommen, weil nach 30, manchmal auch erst nach 50 Seiten irgendwie nichts mehr gepasst hat und ich eigentlich in eine ganz andere Richtung mit meiner Story wollte, aber dafür hätte alles löschen und überarbeiten müssen. Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass ein paar grobe Stichpunkte zur Planung nicht ausreichen und versuche jetzt es besser zu machen, was allerdings nicht so leicht ist, weil meine Motivation nicht lange anhält, wenn ich nicht schreiben kann. Irgendwie sehe ich nicht so den Sinn im planen, weil es letztendlich sowieso nur darauf ankommt, was im Buch steht und nicht darauf wie viele Seiten und Stunden man mit Recherchieren und planen verbracht hat (wobei sich das im Buch natürlich auszahlt). Ich glaube, dass wenn ich etwas mehr wie ein Plotter wäre, viel weiter gekommen wäre und nicht 10 angefangene und unbeendete Storys hätte. Immerhin habe ich jetzt gemerkt, dass Storys zu planen fast genauso viel Spaß machen kann, wie zu schreiben… aber nur fast.
    Viele Dank für deinen Blog, ich werde mir auf jeden Fall noch mehr durchlesen, habe grade meine Motivation wieder gefunden.

    1. Anna

      Hallo Vivi,
      Freut mich zu hören, dass dieser Blog dich motiviert.
      Generell hat jede Sache seine Vor- und Nachteile und man kann nur durch probieren und forschen herausfinden, welcher Weg/welche Methoden richtig für einen sind. Wenn du mehr plotten möchtest, um mehr Struktur in deine Arbeit zu bringen, dann kannst du dir ein paar Plotmethoden ansehen, die dir die Sache erleichtern. Von grob (z.b. 3-Akt-Struktur) bis ausführlich (z.B. 3-9-27-Methode) gibt es da alles.
      Manchmal hilft es auch schon zu wissen, wo die Geschichte hinführen soll (also wie sie endet) und wie der rote Faden aussieht, also welches Thema im gesamten Werk die größte Rolle spielt.
      Liebe Grüße,
      Anna

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