Den passenden Namen für deine Charaktere finden

Den passenden Namen für deine Charaktere finden

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Bei der Vorbereitung auf mein erstes Buch habe ich mich zunächst um die Ausarbeitung meiner Idee und meiner Fantasy-Welt gekümmert. Erst dann habe ich mir überlegt, welche Charaktere sich in dieser Welt bewegen und meine Handlung vorantreiben.

Die Namensgebung erfolgte dann sogar noch später, denn bis dato war mir noch nicht klar, dass man auch dabei einiges beachten sollte.

Die Liebe zum Detail, die im Voraus in den Weltenbau geflossen ist, kann genau so bei der Namensfindung genutzt werden.

Namen – Was solltest du vermeiden?

Komplizierte Namen

Die in meinen Augen nervigste Angewohnheit von Autoren bei der Namensgebung ist die Aneinanderreihung möglichst vieler Silben zu einem möglichst komplizierten Namen. Vermeide Namen wie Ash’karaxhtafum, der Hexer aus dem Windgebirge oder Yrtharwiumtschak, der Ork-Herrscher aus dem Süden.

Zugegeben, dies sind keine realen Beispiele und noch dazu einigermaßen übertriebene. Doch nicht selten habe ich Geschichten gelesen, in denen viel zu komplizierte Namen genutzt wurden.

Du tust deinem Leser keinen Gefallen, wenn er für die Entschlüsselung des Namens genau so viel Zeit aufwenden muss, wie für den Rest der Seite.

Ist Yrtharwiumtschak, der Ork-Herrscher noch dazu der Held deines Buchs und deine Leser sind gezwungen diesen Namen viele, viele Male zu lesen, werden sie das Buch wohl nach kurzer Zeit entmutigt weglegen.

Wäre das nicht ärgerlich, wenn auf Yrtharwiumtschak doch noch so viele spannende Abenteuer warten? Mach‘ doch einfach Yrthar draus (Wenn auch nur als Spitzname) und schon sparst du deinem Leser viele Nerven.

Man sollte sich den Namen merken können und man sollte ihn auch aussprechen können. Nur so kann dein Charakter unvergesslich werden.

Buchstaben wie û, Ĕ, Ǿ, Ȁ, Ў

Dieser Punkt liegt mir ganz besonders am Herzen. Wenn du für den Namen deines Charakters irgendwelche Sonderbuchstaben aus der Windows-Zeichentabelle benötigst, fang‘ bitte nochmal von vorne an.

Wenn ich ein Buch lese, möchte ich nicht erst recherchieren müssen, wie der jeweilige Buchstabe in dem Namen deines Helden ausgesprochen wird.

Dies erzeugt eine Fremdartigkeit im Namen, die darauf schließen lässt, dass der Protagonist aus fernen Landen kommt, mit einer fremden Kultur. Aus meiner Sicht muss dies nicht in diesem Ausmaß durch den Namen verdeutlicht werden.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass der Autor nichts für meine Bildungslücke kann. Man könne ja wohl erwarten, dass man seinen Horizont erweitert und lernt, solche Buchstaben zu lesen.

Ich wage aber zu behaupten, dass eher die Minderheit der Leser Namen wie Ĕram-Ǿlkûr (spontane Neuschöpfung ohne jegliche Bedeutung) lesen könnte.

Klischeehafte Namen

Im weiteren Verlauf dieses Artikels werde ich noch darauf eingehen, dass der Name eines Charakters Hinweise auf die Identität geben kann, doch dabei setze ich lieber auf Subtilität.

Klischeehafte Namen sollte man lieber vermeiden, vor allem weil es der beste Weg ist, aus seinen Charakteren eindimensionale Klischee-Figuren zu machen.

Darum verzichte auf Charaktere wie die wunderschöne Emily Rosenblüte oder schlimmer noch Rosa Rosenblüte und ihren beschränkten Partner Dudley von Dumpfback. Ich übertreibe es, aber ich denke, es wird deutlich, worauf ich hinauswill.

Als einzige Ausnahme würde ich bei diesem Punkt Kinderbücher nennen, denn Charaktere wie Emily Erdbeer halte ich bei dieser Zielgruppe für vertretbar.

Beliebige Namen

Weiter oben bin ich bereits darauf eingegangen, dass komplizierte Namen vermieden werden sollten. Vor allem bei deinen Hauptfiguren und noch viel mehr im Fantasy-Genre solltest du auf besonders beliebige und gewöhnliche Namen verzichten.

Auch der Name sollte das Interesse des Lesers wecken und nicht so klingen wie der Name des Nachbarn von nebenan. Es sollte ein einprägsamer und einmaliger Name sein, sodass der Leser den Protagonisten niemals wieder vergisst.

Das ist natürlich keine allgemeingültige Regel. Gibt es einen Grund dafür, einen besonders gewöhnlichen Namen zu wählen, dann tu das.

Was wäre, wenn der Protagonist Hans-Peter Schmidt heißt, der sich in einer Fantasy-Welt voller Drachen, Elfen, Zwerge und so weiter wiederfindet.

Würde das nicht das Interesse des Lesers wecken, warum Hans-Peter Schmidt bei Yrthar, dem Ork-Herrscher anklopft?

Vielleicht. 😉

Gleichklingende Namen

Gehen wir doch mal von drei Protagonisten aus. Es gibt einen Zwerg, namens Kian. Dieser reist in das Land der Elben und begegnet dort den Protagonisten Fian und Sian. Gemeinsam reisen sie in das Land Mianmian und dort bekämpfen sie Tian.

Frage: Wie hieß nochmal der Zwerg?

Zu viele gleichklingende Namen erschweren es deinem Leser erheblich, sich zu merken, wer wer ist und sich mit deinen Figuren zu identifizieren.

Nahezu klischeehaft finde ich es schon, wenn man Zwillinge Sian und Tian nennt. Gib deinen Figuren eine eigene Identität und mit einem einprägsamen Namen.

Lies dir deine Geschichte einmal laut durch. Klingen viele Namen gleich, solltest du diese vielleicht nochmal überarbeiten.

Namen – Wie solltest du vorgehen?

Was solltest du also bei der Namensgebung für deine Buchcharaktere beachten? Wo findest du gute Namen für deinen Roman? Wie erhält dein Protagonist einen ganz besonderen Namen?

Einfache Namen

Mein erster und wichtigster Tipp sollte zuvor schon deutlich geworden sein. Verwende möglichst einfache Namen.

Der Leser sollte nicht jedes Mal über den Namen stolpern, sondern diesen verinnerlichen und leicht lesen können.

Wo finde ich gute Namen?

Bei 7 Milliarden Menschen gibt es in unserer realen Welt eine große Vielfalt an unterschiedlichen Namen. Halte Augen und Ohren offen, nach interessanten Namen.

Schreib sie dir auf und verwende sie in realer oder abgewandelter Form in deinen Geschichten.

Aber Vorsicht: Nutze in deinem Buch vielleicht nicht unbedingt den Namen deiner Schwester (auch nicht in abgewandelter Form), für die böse Hexe, die deinem Protagonisten nur Ärger macht. Das könnte für Ärger in der Familie sorgen. 😉

Auch Pinterest kann ich nur immer und immer wieder empfehlen, wenn es um die Suche nach Inspirationen geht. Auch bei der Suche nach exotischen und seltenen Namen ist die Bildsuchmaschine hervorragend geeignet.

Erstelle dir eine Pinnwand für Charakternamen und pinne dort unzählige Pins mit Namen an.

Eine sehr gute und schier unerschöpfliche Quelle für Namen sind Websites (z.B. Behind the Name), die sich mit Vor- und Nachnamen, deren Herkunft und deren Bedeutung auseinandersetzen. Hier findest du garantiert Inspirationen.

Bonustipp: Mach einen Spaziergang über den Friedhof. Klingt vielleicht morbide, kann aber sehr hilfreich sein, besonders wenn man auf der Suche nach alten Namen ist.

Bedeutung des Namens in die Geschichte einbauen

Die oben angesprochenen Websites sind vor allem hervorragend, um sich mit der Bedeutung der Namen auseinanderzusetzen. Inwiefern passt die Bedeutung zu deinem Charakter oder führt sie deinen Leser gar auf eine falsche Fährte. Alles ist möglich.

Bei einer kurzen Websuche bin ich beispielsweise auf den Namen Georg gestoßen. Dieser stammt aus dem Altgriechischen („georgos“) und ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern „ge“ (Erde) und „ergo“ (arbeiten). Georg kann also als „der Landarbeiter“ übersetzt werden und ist die Kurzform des altgriechischen Namens Georgios.

Kurzformen oder Abwandlungen von Namen gibt es immer wieder. Auch mein eigener Name – Steffen – ist eine (dänische bzw. norwegische) Abwandlung von Stephan. Der Name hat ebenfalls einen altgriechischen Ursprung. Er erlangte Bekanntheit durch den Märtyrer Stephanus aus dem Neuen Testament.

Das Wort „stephanos“ bedeutet dort so viel wie „Der Gekrönte“. Falls du also einen Urban-Fantasy-Roman schreibst, in dem ein König vorkommt, hätte ich nichts dagegen, wenn du ihn Steffen nennen würdest. 😉

Georg, der Landarbeiter und Steffen, der Gekrönte, könnten also in deinem Buch die Charaktere mit eben jener Rolle sein, also Georg, der Landarbeiter bzw. der Bauer und Steffen, der König.

Gleichzeitig könnte man mit den Bedeutungen sogar noch mehr spielen, indem man den Leser in dem Glauben lässt, dass Steffen der langersehnte Thronerbe sein wird.

Doch nach und nach wird deutlich, dass er tatsächlich der Antagonist ist. Das einzige Ziel deines Helden ist es, die Bedeutung des Namens nicht wahr werden zu lassen und die Krönung von Steffen zu verhindern.

Namen aus der Historie einbauen

Eine weitere Möglichkeit der Namensfindung besteht darin, Namen aus unserer Weltgeschichte zu nehmen.

Mein absolutes Lieblingsbeispiel stammt aus – und ja ich muss J.K. Rowlings Roman wieder nennen – Harry Potter. Es zeugt von der Detailverliebtheit, die auch vor den Charakternamen nicht Halt gemacht hat.

Und es beinhaltet darüber hinaus noch phänomenales Foreshadowing, wenngleich dies eine unbestätigte Fantheorie ist.

Vorsicht Spoiler! Doch wenn du Harry Potter noch nicht gelesen hast, erlaube mir bitte eine Frage: Was machst du nur mit deinem Leben? 😉

Die Fantheorie besagt, dass Fred und George nach britischen Königen benannt wurden. King George III war auf einem Ohr taub und wurde König, aufgrund des frühzeitigen Todes von Prince Frederick.

Als George also im Roman sein Ohr verlor, soll dies auf den späteren Tod von Fred hindeuten. Echt geniales Forshadowing, wie ich finde.

Die Verwendung von historischen Namen und deren Hintergründe für Foreshadowing zu nutzen, ob dies nun von J.K. Rowling beabsichtigt war oder nicht, ist aus meiner Sicht die Champions League des Foreshadowing.

Und wenn es tatsächlich nicht beabsichtigt war, dann nutze dieses Wissen doch und verwende historische Namen für tatsächlich beabsichtigtes Foreshadowing.

Vor allem im Fantasy-Bereich: Abwandlungen und Wortneuschöpfungen

In Fantasy-Geschichten, die eher in alternativen Welten spielen, sollten Namen vielleicht eher exotischer klingen. Dort kannst du mit abgewandelten Formen von bekannten Namen arbeiten.

Georg könnte man so beispielsweise in Georgio oder Georgion abwandeln. Steffen würde ich eher in Stewen oder Stepherus umschreiben. So können Bedeutungen des Wortstamms eingebaut werden, obwohl man ein neues Wort geschaffen hat.

Neue Namen ist auch ein guter Punkt. Wenn du eine neue Welt erschaffst, bietet es sich auch an, vollkommen neue Namen zu erschaffen. Namen haben einen bestimmten sprachlichen, geschichtlichen oder religiösen Hintergrund.

Vielleicht gibt es auch eine Geschichte hinter dem Namen deines Charakters? Deine Fantasy-Welt lebt von solchen Details.

Es ist nicht wichtig, dass diese nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Mir war beim ersten Lesen von Harry Potter oder Herr der Ringe auch nicht bewusst, dass die (meisten) Namen eine gewisse Bedeutung haben.

Doch im Nachhinein macht es Spaß sich damit zu beschäftigen. Es wird eine besondere Geschichte, wenn man auf den zweiten, dritten oder vierten Blick noch Details entdecken kann.

Extra-Tipp:

Damit deine liebevoll ausgewählten Namen beim Leser nicht in Vergessenheit geraten, empfehle ich dir, sie zumindest alle zwei bis drei Kapitel (keine empirischen Zahlen, sondern mein eigenes Empfinden) mal zu erwähnen.

Extra-extra-Tipp:

Lege eine Tabelle mit allen Namen aus deiner Geschichte an. So einprägsam und einfach du die Namen auch kreiert haben magst, ab einer bestimmten Anzahl an Charakteren in deinem Buch wird es für dich schwierig, im Schreibprozess alle Namen und deren Rolle zu behalten.

Schreibe dir den Namen auf, die Rolle des dazugehörigen Charakters, vielleicht auch sein erstes Auftreten. Die Bedeutung (wenn der Name eine bestimmte Bedeutung trägt) kann für dich später auch nochmal hilfreich sein. So behältst du immer den Überblick.

Wie gehst du bei der Namensfindung vor? Haben die Namen deiner Helden eine besondere, versteckte Bedeutung?

Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

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