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Reihenplanung: Eine Trilogie plotten

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Was ist der große Unterschied zwischen einer Buchreihe und einem Einzelband? Mehr Wörter. Mehr Inhalt. Es ist einfach mehr von allem. Doch trifft das auch aufs Potten zu?

Das Schöne an Trilogien ist, dass sie sich einfach auf die 3-Akt-Struktur übertragen lassen, was das Plotten theoretisch ebenfalls einfacher machen sollte.

Akt 1 wird zu Band 1, Akt 2 zu Band 2 und Akt 3 ist Band 3.

Richtig?

Naja, nicht ganz.

Wer sich ein wenig mit der 3-Akt-Struktur auskennt, der weiß, das der erste und der letzte Akt viel kürzer sind als der Zweite. Zusammen machen sie meist nicht mal die Hälfte der Geschichte aus, wohingegen Akt 2 gut und gerne 60-70% der Geschichte ausmachen kann.

Überträgt man das nun auf eine Trilogie, würde die Reihe ganz schön aus den Gleichgewicht geraten. Zudem wäre es beinahe unmöglich, in den einzelnen Bänden gute Spannungsbögen aufzubauen.

Dein Ziel sollte daher folgendes sein: Während die Reihe selbst der 3-Akt Struktur folgt, sollte gleichzeitig auch jeder Band dieser Struktur folgen. Dabei muss Dand ein nicht strickt dem Muster eines ersten Aktes folgen.

Das sieht dann ungefähr so aus:

Reihenplanung einer Trilogie

Zwei Dinge, die du in der Grafik erkennen solltest:

  1. Band eins und Drei Erhalten jeweils einen Teil des zweiten Aktes der Reihe. Das ermöglicht es dir, einen geeigneten Spannungsbogen für jedes Buch aufzubauen.
  2. Akt 3 des letzten Bandes nimmt einen größeren Teil ein als das normalerweise der Fall wäre. Das liegt daran, dass in der letzten Hälfte des letzten Buches sämtliche Konflikte gelöst werden müssen: Die übergreifenden Konflikte der gesamten Reihe, der Konflikt des dritten Bandes, sowie die Character Arcs der wichtigsten Figuren

Apropos Character Arcs: Diese spielen bei der Planung und dem Plotten eines Buches eine große Rolle. Falls du darüber also noch nicht so viel weißt, empfehle ich dir, vorher diesen Artikel zu lesen, in dem ihc erkläre, wie sich die Character Arc des Protagonisten in einer Buchreihe verhält.

Band 1

Band Eins hat die wichtige Aufgabe, das Interesse deines Lesers gefangen zu nehmen – so sehr, dass es für die ganze Reihe reicht.

Darum ist es umso wichtiger bei einer Reihe, dass du dieses Buch mit einem guten Hook beginnst. Das schaffst du, indem du eine Einstiegskrise nutzt oder deinen Protagonisten und den Konflikt auf andere, interessante Weise vorstellst.

Generell gilt, je schneller du das Interesse des Lesers wecken kannst, desto besser. Doch sobald du das erstmal hast, kannst du dir bei einer Reihe etwas mehr Zeit lassen für die Vorstellung des Zentralen Konflikts, die Welt und Charaktere. Der Leser wird davon ausgehen, dass diese Dinge bei einer Reihe vielschichtiger und komplexer sind und bringt deshalb tendentiell etwas mehr Geduld mit, als bei einem Einzelband.

Dennoch sollte nach etwa 15% des Buches der Inciting Incident stattfinden. Das ist der auslösende Moment, des den Stein ins Rollen bringt. Dein „Was wäre, wenn…?“ Der Zentrale Konflikt des ersten Bandes wird vorgestellt.

Die Events nehmen Form an und Fahrt auf während des ersten Teils von Akt 2 – auch der Spaßige Teil genannt.

Während des Midpoints erlebt der Plot eine dramatische Wendung, welche die Welt des Protagonisten erneut auf den Kopf stellt. Langsam wird es ernst. Dies kann auch der Punkt sein, an des der übergreifende Konflikt der Reihe vorgestellt wird/beginnt.

Der Midpoint stellt oftmals den Beginn dar für den zweiten Akt der gesamten Reihe.

Während des Düsteren Teils – der zweiten Hälfte des zweiten Aktes – versucht der Protagonist das Problem wieder gerade zu rücken. Vorbereitungen für den Klimax.

Der Protagonist erlebt gegen Ende des Düsteren teils einen Mini-Aha-Moment. Er erkennt einen Teil seiner Angst oder seines Irrtums als solchen an. Diese Erkenntnis hilft ihm für den Moment weiter, doch ist noch immer Fehlerhaft. (Aha-Momente ergeben sich aus dem Thema deines Buches und der Character Arc deines Protagonisten. Mehr dazu im Beitrag zu Character Arcs)

Der Klimax löst den Konflikt des ersten Bandes aus, doch schafft ultimativ neue Probleme, die den Protagonisten und Leser in den zweiten Band begleiten. Hast du den übergreifenden Konflikt der trilogie noch nicht während des Midpoints vorgestellt, dann solltest du das spätestens jetzt tun.

Eine beliebte Methode, um Leser zum Weiterlesen der Reihe zu verführen, ist ein Plottwist während oder nach dem Klimax, der in einem Cliffhanger mündet. Das neue Problem wird vorgestellt, doch ansonsten nicht weiter addressiert.

Am Ende des ersten Bandes sollte der Protagonist sich gewandelt haben, doch noch immer viele Fehler haben, die im Laufe der nächsten 2 Bände gelöst oder zumindest angesprochen werden können.

Band 2

Band 2 knüpft meist da an, wo Band 1 geendet hat. Der erste Akt des zweiten Buches ist meist recht kurz gehalten, da man davon ausgehen kann, dass die Leser die Figuren und das Setting bereits kennen. Dennoch ist eine kurze Erinnerung an die Ereignisse von Band 1 angebracht. Manchmal liegt viel Zeit zwischen den Veröffentlichungen oder Leser machen eine Pause zwischen den Bänden. In diesen Fällen sollten sie ihre Erinnerung auffrischen können.

Nach dieser knappen Einleitung, folgt der Inciting Incident für Band 2 recht schnell. Da das Problem bereits am Ende des Ersten Bandes aufgetreten ist, besteht dieser Inciting Incident oftmals aus:

  1. Einer Lösungsidee für dieses Problem
  2. Einer neuen Möglichkeit
  3. Etwas, das das Problem noch schlimmer macht (eine Deadline, ein neuer Feind, neue Konditionen oder Umstände)

Der Spaßige Teil umfasst auch hier wieder die steigende Handlung – Hürden, die der Protagonist überwinden muss. Diese befassen sich sowohl mit dem Konflikt für Buch 2 sowie dem übergreifenden Konflikt der gesamten Reihe, wobei diese beiden im Konflikt miteinander stehen können oder einander komplementieren.

Der Midpoint ist hier nun auch gleichzeitig der Midpoint der gesamten Reihe und kann das Leben des Protagonisten um 180° drehen. Dieser Midpoint-Twist kann neue Facetten des Problems aufdecken und lässt den übergreifenden Konflikt noch beängstigender wirken.

Im Düsteren Teil des zweiten Bandes hat der Protagonist zu kämpfen. Es sieht zunehmend schlecht für ihn aus. Er gibt sein Bestes, doch das scheint nicht genug zu sein.

Auch hier erlebt der Protagonist wieder einen Mini-Aha-Moment. Da wir uns dem Tiefpunkt der Reihe nähern, kann diese „Erkenntnis“ eine Falsche sein und den Protagonisten weiter schwächen. Oder sie ist angesichts des Konfliktes schlichtweg nicht gut genug.

Der Klimax von Band 2 ist zugleich der Tiefpunkt der gesamten Reihe. Das bedeutet, dass der Protagonist hier wahrscheinlich eine saftige Niederlage einstecken muss. Auch wenn er vielleicht den Konflikt von Band 2 lösen kann, im Hinblick auf den übergreifenden Konflikt verliert er mehr als er gewinnt.

Band 3

Für Band 3 gilt zu Beginn dasselbe wie bei Band 2: Eine knappe Einleitung mit kleinen Erinnerungshilfen, was in den ersten beiden Bänden passiert ist, bevor es direkt in die Mitte des Geschehens geht.

Auch hier ist der Inciting Incident eine Erweiterung des Problems, das in den vorhergehenden Bänden aufgekommen ist. Da Teil 3 sich vornehmlich auf die Lösung des übergreifenden Konflikts fokussiert, solltest du dich darauf konzentrieren. Mach das Problem greifbar und wecke in deinem Protagonisten nicht nur den Wunsch, sondern das Bedürfnis, dieses Problem zu lösen. Es sollte klar werden, dass der Protagonist mit seinem Leben nicht mehr glücklich wird, wenn er sich nicht um das Problem kümmert.

Der Spaßige Teil dient nun mehr als Vorbereitung auf den finalen Konflikt und zur Lösung von mittelgroßen Konflikten, die in Band 2 nicht gelöst werden konnten.

Der Midpoint gilt als Startschuss für den Klimax der Reihe als Ganzes. Der Antagonist/das Problem ist sehr präsent im Leben des Protagonisten und er kämpft hart, um sich über Wasser zu halten.

Der Düstere Teil zeigt diesen Kampf deutlich auf. Oft plagen den Protagonisten nun Selbstzweifel und er ist kurz davor aufzugeben. Doch er weiß, dass er nun keine andere Wahl mehr hat, als sie seinen Dämonen zu stellen.

Der finale Aha-Moment bildet den Durchbruch. Der Protagonist erkennt endlich all seine Fehler und Irrtümer und ist bereit, sich seiner größten Angst zu stellen. Seine Character Arc kommt damit zu einem Abschluss.

Der Aha-Moment gibt dem Protagonisten die Mittel (und Hoffnung), sich endlich dem übergreifenden Konflikt zu stellen und ihn zu lösen.

Was nun folgt, ist der Klimax des Klimaxes. Der übergreifende Konflikt wird endlich addressiert und gelöst.

Hinterher hast du die Möglichkeit, noch einige löse Fäden zusammenzuführen und offene Fragen zu klären. Auch Epiloge machen sich an dieser Stelle gut.

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